Mittwoch, 10. April 2002

Bilbao-Präsident: Primera Division steht vor Bankrott

  • Milliongehälter der Superstars nicht mehr bezahlbar?
  • Auch Italiens Fußball in schwerer Finanzkrise

Die spanische Fußball-Liga steht nach Ansicht des Klubchefs von Athletic Bilbao, Javier Uria (Bild), am Rande des Bankrotts. Der Präsident des baskischen Traditionsvereins warnte nach Presseberichten vom Mittwoch davor, dass viele Vereine der Primera Division die Millionengehälter für die Superstars nicht länger zahlen könnten. Die Finanzprobleme, die sich in der deutschen Bundesliga mit der Kirch-Pleite stellten, träten schon bald auch in Spanien auf.

Die spanische "Liga der Stars" - die stärkste Fußball-Liga der Welt - müsse sich darauf einstellen, dass die Einnahmen aus dem Verkauf der Übertragungsrechte an das Fernsehen zurückgingen.

In Spanien stehen Neuverhandlungen über die Fernsehrechte für die Spiele der ersten Liga an. Uria äußerte die Befürchtung, dass die Vereine keinen gemeinsamen Vertrag mit den TV-Stationen schließen werden. Vielmehr sei es wahrscheinlich, dass die großen Klubs sich bilateral mit den Fernsehanstalten einigten. Für die kleineren Vereine hätte dies zur Folge, dass sie für die Übertragungsrechte erheblich weniger Geld erhielten als bisher.

Auch italienische Vereine in den roten Zahlen
Trotz noch fließender Fernsehgelder steckt der italienische Fußball tief in den roten Zahlen. Der von der Pleite bedrohte Manninger-Klub AC Fiorentina und Absteiger Venezia haben seit Dezember keine Spielergehälter mehr bezahlt. Bei Lazio Rom, Meister 2000, warten die Kicker sogar seit November auf ihre Gehälter, berichtete die "La Gazzetta dello Sport" am Mittwoch. Meister AS Roma schulde seinen Stars noch Werbehonorare aus der vergangenen Saison. Insgesamt belaufe sich das Defizit aller Erstligisten nach Angaben von Wirtschaftsprüfern im vergangenen Jahr auf rund 710 Millionen Euro.

Auch in der laufenden Saison weisen die Bilanzen vieler Klubs große Defizite auf. Dem AC Parma fehlen 154 Millionen, Lazio Rom 103 Millionen, Tabellenführer Inter Mailand und Meister AS Roma je 52 Millionen Euro. Grund für die enormen Defizite der Vereine sind nach Ansicht der Experten die enorm gestiegenen Spielergehälter, die sich in den vergangenen vier Jahren mehr als verdoppelt haben, sowie der Rückgang der Zuschauerzahlen. Die Einnahmen aus den Fernsehrechten haben sich für die Erstligisten in den vergangenen vier Spielzeiten von 241,3 Millionen Euro (1998) auf 618,7 Millionen Euro (2001) um das zweieinhalbfache gesteigert.

10.4.2002 09:48