Freitag, 12. April 2002

Chavez-Gegenspieler Carmona enthaftet

  • Nach Putsch: Chavez nach rund 40 Stunden wieder im Amt
  • PLUS: Die Bilder der gewaltsamen Unruhen

Zwei Tage nach seinem Sturz als Interimspräsident Venezuelas ist der Gegenspieler von Präsident Hugo Chavez, Pedro Carmona, aus der Haft entlassen worden. Der Chef des Unternehmerverbandes wartet nach Angaben seines Anwalts im Hausarrest auf seinen Prozess wegen eines Umsturzversuchs und illegaler Machtergreifung. Die USA beschuldigten Chavez unterdessen, den Beschuss von Demonstranten bei den jüngsten Protesten angeordnet zu haben.

Er sei korrekt behandelt worden und habe Besuch von Menschenrechtlern, Anwälten und Regierungsbeamten empfangen dürfen, sagte Carmona nach seiner Entlassung aus dem Justizpalast von Caracas am Montag (Ortszeit). UNO-Generalsekretär Kofi Annan rief die Venezolaner zur nationalen Versöhnung und zur Respektierung der demokratischen Institutionen auf.

Zuvor hatte sich Chavez in seiner ersten Pressekonferenz seit seiner Rückkehr ins Amt versöhnlich gezeigt und einen nationalen Versöhnungsdialog angekündigt. Es werde keine Verfolgung geben, das Recht auf freie Meinungsäußerung werde eingehalten, sagte Chavez in Caracas. Venezuela brauche eine "dem Land gegenüber loyale Opposition". Der Oberkommandierende der Streitkräfte, Efrain Vazquez, der sich an die Spitze einer Armee-Rebellion gegen den Präsidenten gestellt hatte, könne mit Straffreiheit rechnen. Auch Carmona könne straffrei davonkommen.

Chavez war am Freitag nach gewalttätigen Protesten mit mindestens 41 Toten vorübergehend von der Armee entmachtet worden. Daraufhin erklärte sich Arbeitgeberchef Carmona zum Interimspräsidenten. Nach nur einem Tag im Amt trat er am Samstag unter dem Druck erneuter Proteste und Teile der Armee zurück. Chavez wurde am Sonntag zwei Tage nach seiner Entmachtung wieder als Präsident vereidigt.

12.4.2002 06:40