Donnerstag, 11. April 2002

Ministerium verstärkt Kampf gegen Cyberkriminalität

  • Kriminalität im Internet steigt!

Kinderpornografie, Hacker-Attacken, Verbreitung von Viren und NS-Wiederbetätigung - das Feld für Kriminalität im Internet ist groß. Die Exekutive verstärkt daher ihren Kampf gegen derartige Verbrechen. So wird im neuen Bundeskriminalamt (BKA) ein Büro für IT-Delikte eingerichtet, so Innenminister Strasser. Datensicherungsgruppen sollen diese Zentralstelle auf regionaler Ebene unterstützen.

2001 wurden in Österreich 30 Hausdurchsuchungen durchgeführt und dabei 101 Computer, 785 Datenträger und 15 Mobiltelefone forensisch gesichert, analysiert und ausgewertet. "Die Amtshandlungen sind im Vergleich zu 2000 um rund 200 Prozent gestiegen", berichtete Klaus Mits, Leiter der Abteilung zentraler kriminalpolizeilicher Dienste. Was die Auswertungen von beschlagnahmtem Material betrifft, erwarten die Experten für heuer eine Steigerungsrate von 700 Prozent gegenüber 2001.

Der Anteil des Deliktes Kinderpornografie von allen derzeit im Internet bekannt gewordenen strafbaren Handlungen beträgt rund 75 Prozent, betonte Rudolf Gross, Leiter der Kinderpornomeldestelle. Es gibt immer mehr User, die Software ist leichter zugänglich geworden. In Österreich sind im vergangenen Jahr 2.337 Hinweise (2000: 1.706) auf solche Taten eingegangen, 343 waren verwertbar (2000: 595), 85 hatten einen Inland-Bezug (2000: 47). Bei der Internet-Meldestelle für NS-Wiederbetätigung gingen 2001 insgesamt 252 Hinweise ein (2000: 203).

"Wir streben eine enge Zusammenarbeit mit der Wirtschaft an, um auf dem neusten Stand der Technik zu bleiben", so Strasser. Außerdem wird die internationale Kooperation intensiviert. Der Minister forderte ein höheres Problembewusstsein: "Cyberkriminalität ist kein Kavaliersdelikt." Die Meldung solcher Delikte - und wenn es sich "nur" um Veränderungen von Websites handelt - sei dringend nötig. Betroffen sind u.a. Schulen, Provider, Telefonbetreiber, EDV-Firmen, politische Parteien, Reisebüros, Presseagenturen und Ministerien. Allein das Innenressort sei täglich Hunderten - bisher erfolglosen - Attacken ausgesetzt, berichtete Mits.

Einige konkrete Beispiele veranschaulichen die Tätigkeit der Cybercops: Die Auswertung von Datenträgern überführte z.B. mehrere Personen des Ankaufs von Videofilmen und Bildern via Internet, die den sexuellen Missbrauch und die anschließende Tötung von Kindern zeigten. Durch Analyse von Newsgroup-Einträgen konnte ein Anbieter von weit unter dem Marktwert feilgebotener Handys ausgeforscht werden. Die Überprüfung von Chats und SMS-Nachrichten führte zu einem Lagerarbeiter eines Telekommunikationsunternehmens, der Waren im Wert von mehreren 100.000 Euro entwendet hatte. Ausgeforscht wurde auch ein österreichischer Programmierer einer "Love-Letter"-Virusvariante.

11.4.2002 16:34