Kirchen & SPÖ: Sorge über soziale Lage deponiert
- Aichern verweist auf steigende Arbeitslosenzahlen
- Meinungsaustausch für das Projekt "Sozialwort"

einem Treffen führender Vertreter von 14 christlichen Kirchen Österreichs und der SPÖ Donnerstagnachmittag in Linz deponierten der "Sozial-Bischof" der römisch-katholischen Kirche, Maximilian Aichern (Bild) und Bischof Herwig Sturm von der evangelischen Kirche ihre Sorge über die soziale Lage. Das Treffen erfolgte im Rahmen des Projektes "Sozialwort", einer gemeinsamen Stellungnahme der Kirchen zu sozialen und gesellschaftlichen Herausforderungen.
Bereits im Jänner hatte ein Zusammentreffen mit Vertretern der ÖVP stattgefunden. An dem Gespräch in Linz nahmen neben Bischof Sturm auch die Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ), Oberin Christine Gleixner sowie der römisch-katholische "Sozialbischof" Maximilian Aichern und Metropolit Michael Staikos von der Griechisch-Orthodoxen Kirche teil. Die SPÖ war vertreten durch Alfred Gusenbauer und Sozialsprecherin Heidrun Silhavy.
Aichern drückte seine Sorge über die angespannte Arbeitsmarktlage aus. Die wieder steigende Arbeitslosigkeit setze vor allem jene unter verstärkten Druck, die ohnedies kaum Chancen auf einen dauerhaften Arbeitsplatz haben. Der Linzer Bischof verwies auf diesbezügliche Erfahrungen der bischöflichen Arbeitslosenstiftung in Linz und von Betriebsseelsorgern. Atypische Beschäftigungsverhältnisse würden zunehmen, die den Arbeitnehmern abverlangte Flexibilität gehe oft zu Lasten von Lebensqualität. "Gemeinsame freie Zeiten wie der Sonntag ermöglichen Atempausen für viele Menschen", sagte Bischof Aichern und erinnerte in diesem Zusammenhang an die von bereits mehr als 30 Organisationen getragene "Allianz für den freien Sonntag".
Mit den Veränderungen im Bereich der Arbeit änderten sich auch die Voraussetzungen für die soziale Absicherung, so Aichern. Erzwungener Arbeitsplatzwechsel, Zeiten der Arbeitslosigkeit und Beschäftigung im Niedriglohnbereich würden immer mehr Menschen in eine Armutsfalle führen. Der Sozialstaat müsse weiterentwickelt werden, "um die Ausbreitung von Armut in unserem reichen Land zu vermeiden", forderte der Bischof. Er sieht Solidarität und Zusammenhalt schwinden, wenn die Armen immer ärmer und die Reichen immer reicher werden - und damit die Voraussetzungen für ein tragfähiges Zusammenleben der Menschen in unserer Gesellschaft.
Solidarität, wie sie auch die christliche Sozialethik fordere, enthalte mehr und anderes als Almosen für die Armen. "Es geht um soziale Gerechtigkeit, um Fragen der Gerechtigkeit zwischen Frauen und Männern, jungen und alten Menschen, zwischen Kranken und Gesunden, Arbeitsplatzbesitzern und Arbeitslosen", so Aichern. Eine gerechte Verteilung von Arbeit, Erwerbseinkommen, die ein menschenwürdiges Leben ermöglichen, ein gerechtes Steuersystem seien wesentliche Herausforderungen für die politische Gestaltung.
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