Donnerstag, 11. April 2002

FORMAT: Ex-General Weis rechnet mit Schwarz-Blau ab

  • "So direkte Pressionen hat es unter der SPÖ nicht gegeben"
  • Weis über Westenthaler: "Er geht mir wirklich nicht ab"

Gerhard Weis, Ex-Generalintendant, rechnet in einem Interview mit den Nachrichtenmagazin FORMAT mit Bundeskanzler Wolfgang Schüssel und FPÖ-Klubobmann Peter Westenthaler ab. Weis erzählt aus dem ereignisreichen Leben einer "politischen Leiche".

FORMAT: Herr Weis, nächsten Donnerstag gibt es für Sie ein großes ORF-Abschiedsfest, zu dem prominente Medienleute und Politiker erwartet werden. Steht der Bundeskanzler auch auf der Gästeliste?

Weis: Das weiß ich gar nicht. In erster Linie soll das Fest ja ein Dankeschön an die Mitarbeiter im ORF sein.

FORMAT: Wünschen Sie sich überhaupt, dass der Bundeskanzler kommt?

Weis: Warum sollte ich das? Der ORF ist ja unter dieser Regierung angeblich entpolitisiert worden. Also hat die Politik dort nichts mehr verloren. Abgesehen davon ist mein Verhältnis zum Herrn Bundeskanzler äußerst unterkühlt - und das ist noch milde ausgedrückt.

FORMAT: Das war nicht immer so, oder?

Weis: Der Herr Bundeskanzler hat sich irgendwann entschlossen, in mir das große Feindbild zu sehen. Er hat sich von mir offenkundig gewünscht, dass ich zu ihm komme und sage: "Ich werde alles dazu beitragen, dass du auch noch eine zweite Legislaturperiode auf dem Ballhausplatz residieren kannst." Weil ich das nicht gemacht habe, war er offenbar der Meinung, dass ich um jeden Preis weg muss.

FORMAT: FP-Klubobmann Peter Westenthaler, der nach Ihrem Abgang eine Champagnerflasche geköpft haben soll, ruft Sie wohl auch nicht mehr so oft an?

Weis: Warum sollte er? Er geht mir aber auch wirklich nicht ab.

FORMAT: Wie macht sich denn Ihre Nachfolgerin, Generaldirektorin Monika Lindner?

Weis: Sie nutzt ihre Chancen sehr gut.

FORMAT: Hat sich eigentlich der Kärntner Landeshauptmann, der Sie unterstützt hat, noch einmal bei Ihnen gemeldet?

Weis: Er hat mir ein kurzes Brieferl geschickt. Mir ist ja unterstellt worden, dass ich die besondere Nähe Haiders suche. In Wirklichkeit war es umgekehrt. Ich habe dem Herrn Haider gut in den Kram gepasst. Es war ja die stehende Redewendung Haiders, dass es sein Ziel sei, zu verhindern, dass der ORF vom Rot- zum Schwarzfunk wird.

FORMAT: Hat er das so gesagt?

Weis: Ja. Offenkundig war er der Meinung, dass - bevor alles in schwarze Hand kommt - sogar noch die Roten besser sind. Denn die könne er wenigstens birnen und weichklopfen. Am allerliebsten wäre ihm halt ein Bürgerlicher mit Distanz zur ÖVP. Das war ich. Er hat aber nie etwas Konkretes von mir verlangt.

Lesen Sie das ganze Interview mit dem Ex-ORF-Chef in der neuen Ausgabe von FORMAT.

11.4.2002 12:25