Donnerstag, 11. April 2002

Aber ohne verbotene Passage

  • "Unsere Klestils": Gericht gibt BP Klestil Recht
  • Plus: Die brisantesten Stellen aus der Skandal-Bio

Der Rechtsstreit um das umstrittene Buch "Unsere Klestils" geht weiter: Der Verlag hat entschieden, das Buch weiterhin zu verlegen - allerdings ohne die verbotene Passage über die angebliche Schwangerschaft von Margot Klestil-Löffler. Damit reagiert der Verlag auf die Einstweilige Verfügung die Klestils Anwalt verfügt hat.

Der Anwalt will jedoch gegen die Einstweilige Verfügung Berufung einlegen. Auch der Anwalt des Bundespräsidenten prüft weitere Schritte - etwa die Beschlagnahme jener Exemplare, die mit der verbotene Passage noch im Buchhandel erhältlich sind.

Bundespräsident Thomas Klestil hatte im Rechtsstreit mit dem Skandalbuch-Autor Ernst Hofbauer die erste Runde gewonnen. Das Handelsgericht Wien hat eine Einstweilige Verfügung zu Gunsten des Staatschefs erlassen. Demnach darf die Behauptung, Klestil habe seine Frau Margot zu einer Abtreibung genötigt, nicht mehr aufgestellt werden.

Der Ibera-Verlag hatte daraufhin vorerst beschlossen, den Bestseller "Unsere Klestils" nicht mehr auszuliefern. Die Einstweilige Verfügung löste bei Klestil Genugtuung aus: "Das Urteil bedeutet auch eine grundsätzliche Klarstellung des unabhängigen Gerichtes, dass Politiker nicht Freiwild sind und sich nicht unwahre und hasserfüllte Vorwürfe gefallen lassen müssen", meinte der Bundespräsident in einer Erklärung - als "Privatmann".

Wörtlich meinte der Bundespräsident: "Der höchstpersönliche Lebensbereich, der auch den besonderen Schutz vor medialer Preisgabe genießt, stellt den Kernbereich der geschützten Privatsphäre dar". Darüber hinaus seien die im Buch erhobenen Vorwürfe gemäß Entscheidung des Gerichtes "ehrenbeleidigend und kreditschädigend". Die österreichische Rechtsordnung habe durch diesen Urteilsspruch "dankenswerter Weise" Grenzen gesetzt, die im Interesse jedes Bürgers und vor allem der Verantwortungsträger in unserer Gesellschaft gezogen werden müssten.

Das Buch stellt eine Abrechnung des ehemaligen Wirtschaftskammer-Pressemanns mit seinem Partei- und Cartellverbands-Kollegen Bundespräsident Klestil dar - und ist wegen diverser unbestätigter Verdächtigungen ins Zentrum heftiger Kritik geraten. Ungeachtet dessen oder gerade deswegen war der ersten Auflage großer Erfolg vergönnt. Seit 9. April wurden 20.000 Exemplare verkauft. Zuletzt rangierte "Unserer Klestils" auf Platz eins der Sachbuch-Bestseller-Liste.

11.4.2002 12:21