Donnerstag, 11. April 2002

Volksopernchef: "Passe Schüssel nicht ins Konzept"

  • Menthas Reaktion auf seine "Nicht-Verlängerung"

Im Interview mit FORMAT (erscheint am Freitag) kommentiert Volksoperndirektor Dominique Mentha ausführlich die Tatsache, dass er von Staatssekretär Franz Morak nicht bis 2006 "verlängert" wurde, mit Groll: "Ich war überrascht über die Vorgangsweise und die Geschwindigkeit, die da plötzlich eingeschlagen wurde..."

Denn noch am Tag davor habe ich nachdem ich diesbezüglich Gerüchte gehört habe mit Holding-Chef Georg Springer gesprochen, der mir sagte: Er wisse davon gar nichts. Und am nächsten Tag warLs dann so weit ... Aber es ist mir natürlich schon länger klar, daß die schwarz-blaue Regierung mein Volksopern-Konzept der Öffnung, des Dialoges, der Europäisierung und der Hinwendung zur zeitgenössischen Musik und zum zeitgenössischen Tanz nicht wirklich goutieren kann. Und daß ich Schüssel, Morak & Co nicht unbedingt ins Konzept passe."

Und Mentha weiter: "Ich vermute sehr entschieden, dass diese Entscheidung gegen mich politische Hintergründe hat. Und ich verstehe das ja auch. Es ist doch klar, daß ich nicht auf der politischen Linie dieser schwarz-blauen Regierung schwimme. Und das habe ich auch nie verheimlicht. Ich sage hier auch ganz deutlich: Ich bin als freier Mensch nach Österreich gekommen, und ich werde als freier Mensch wieder aus Österreich weggehen. Da lasse ich mich nicht unterkriegen."

Mentha über seine verbleibenden Volksopernjahre: "Es ist eine Befreiung. Weil ich jetzt davon ausgehe, daß diese ganzen Intrigen gegen mich wegfallen 5 da sie ja nicht mehr notwendig sind. Und ich kann nur sagen: In Gefahr und größter Not ist der Mittelweg der Tod. So werde ich bis Juli 2005 in meinem Sinne sinnlich und emotional weiterarbeiten."

Menthas dringender Rat an seinen Nachfolger: "Für die Volksoper wären zwei Dinge wichtig: einerseits den Weg der Erneuerung und der Öffnung weiterzugehen und andererseits die Budgetsituation zu verbessern. Außerdem sollte mein Nachfolger sich nach seiner Bestellung aufs Sofa setzen, sich eine Aufnahme von Gustav Mahler B dirigiert von Lorin Maazel 8 anhören, dabei das Buch 'Im Palast der Gefühle' von Claus Helmut Drese lesen und mich nachher anrufen. Dann weiß er, was so alles auf ihn zukommen wird."

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Deutliche Worte fand Volksopern-Direktor Dominique Mentha über die vor wenigen Tagen entschiedene Nicht-Verlängerung seines bis 2005 laufenden Vertrages: Der "einzig wahre Grund" dieser ihm von Staatssekretär Franz Morak (V) telefonisch ohne Begründung mitgeteilten Entscheidung könne "nur ein kulturpolitischer" sein. "Nämlich, dass die jetzige Regierung den Weg der Öffnung, des Dialogs, des Zeitgenössischen, des Europäischen, des Nicht-mir-san-mir, nicht will."

"Ich fühle mich wie im siebenten Himmel." Das bezog der Volksopern-Direktor Dominique Mentha bei der Vorstellung des Spielplanes für die Saison 2002/2003 freilich ausschließlich auf die Lokalität der Pressekonferenz. Das Restaurant "Settimo cielo" über den Dächern der Innenstadt.

Alle jene Gründe, die in den vergangenen Tagen über die Medien kolportiert worden wären, nämlich das Nicht-Erreichen von Einsparungspotenzialen, das Nichterreichen der Einnahmensolls, eine mangelnde Auslastung oder das Nicht-Greifen seines künstlerischen Konzeptes, seien widerlegbar. Die Sitzplatzauslastung der laufenden Saison verzeichne erstmals seit 1996 eine Steigerung und betrage per 31.3. über 80 Prozent, bei den Einnahmen liege man derzeit 94.475 Euro über dem Soll. Überdies sei sein künstlerisches Konzept "natürlich ganz genau entlang des Auftrages, wie er im Gesetz formuliert ist", entwickelt worden. Mentha: "Was sind die Schlüsse daraus? Man weiß nicht wirklich, warum man diese Stelle neu ausschreiben möchte, oder man will nicht die wirklichen Gründen angeben. Das erste wäre furchtbar, das zweite ist weit unter meinem Niveau."

"Ob diese Entscheidung, die ich für ängstlich halte, richtig war, wird sich am 30.6.2005 weisen. Dann werde ich aber trotz allem nach Karl Dönch der längst dienende Volksopern-Direktor gewesen sein", so Mentha, der nicht nur die Rolle der Kulturpolitiker, sondern auch die des Aufsichtsrates, zu dem er bis zum vergangenen Freitag ein hervorragendes Verhältnis gehabt habe, sehr kritisch sieht.

Sechs Premieren und vier Wiederaufnahmen kündigt Mentha für die Volksopern-Saison 2002/2003 an. Als erste Premiere steht die Operette "Si" von Pietro Mascagni, eine "sensationelle Entdeckung" (Mentha), die die junge deutsche Regisseurin Katja Czellnik inszeniert und der künftige musikalische Leiter der Volksoper Marc Piollet dirigiert, auf dem Plan (19.10.). Es folgen Kalmans "Gräfin Mariza" in der Inszenierung von Vera Nemirova und unter der musikalischen Leitung von Oswald Sallaberger (15.12.), die von Liz King und Regisseur Martin Gruber erarbeitete Tanztheater-Produktion "Haus der Illusionen" (18.1.2003) sowie die Oper "Il Prigioniero" (Der Gefangene) von Luigi Dallapiccola (28.2.).

Das Musical "Anatevka" inszeniert Matthias Davids, Peter Keuschnig dirigiert, Adi Hirschal ist Tevje, der Milchmann (12.4.). Rossinis Opera Buffa "Il turco in italia" in einer Inszenierung von Hausherr Mentha (2.6.) gilt die letzte Premiere der kommenden Saison. Als Wiederaufnahmen sind Zemlinskys "Der König Kandaules", Mozarts "Don Giovanni", Lortzings "Zar und Zimmermann" sowie Heubergers "Der Opernball" geplant. Für den kaufmännischen Leiter Otto Hochreiter stellt dieser Spielplan insgesamt eine "Übererfüllung des kulturpolitischen Auftrages der Volksoper" dar.

11.4.2002 11:31