Herbert Hacker, FORMAT: Den Weintrends auf der Spur
- Shiraz: Die rote Edelrebe auf dem Vormarsch
Noch vor Jahren durfte in Österreich kein Shiraz angebaut werden. Doch seit die gesetzlichen Barrieren gefallen sind, setzen immer mehr heimische Winzer auf die exotische Edelrebsorte.
Shiraz, der Shooting-Star der Weinwelt
In anderen Ländern hat der Shiraz-Hype schon viel früher eingesetzt, die Sorte wurde bereits Anfang der neunziger Jahre zum Shooting-Star der internationalen Weinwelt. In Australien ist Shiraz längst ein Synonym für Rotwein die am häufigsten angebaute Rotweinsorte. Auch in Kalifornien, Argentinien, Chile und Südafrika hat der Anbau der exotischen Edelrebe in letzter Zeit stark zugenommen. Populär wurde die Traube jedoch schon viel früher in Frankreich im Rhône-Gebiet, allerdings unter der Bezeichnung Syrah. Die Ursprünge der Syrah-Rebe werden mit der persischen Stadt Shiraz in Verbindung gebracht, wie sie von dort nach Frankreich gelangte, ist bis heute unklar.
Pionierarbeit
In Österreich war Matthias Leitner aus dem burgenländischen Gols einer der ersten, der sich an die Exotenrebe herantraute. Leitner, der bereits 1993 Syrah auspflanzte: Ich habe vorher Bodenanalysen machen lassen. Ergebnis: Auch bei uns würde die Rebe passen.
Leitner mußte damals noch um verschiedene Sondergenehmigungen ansuchen, denn für Kellereiinspektoren war Syrah lange Zeit ein rotes Tuch. Das sei keine für Österreich typische Sorte, sie passe besser nach Frankreich oder Australien. Leitner: Ich habe die Rebe aus Frankreich importieren lassen, sechs Wochen wurde sie beim Zoll auf Parasiten untersucht.
Mit dem Jahrgang 1999 hatte der Burgenländer jedenfalls bei verschiedenen Verkostungen großen Erfolg. Ebenso wie Karl Thaller aus Großwilfersdorf in der Südoststeiermark. Auch er zählt zu den Vorreitern, sein reinsortiger Shiraz des Jahrgangs 2000 wurde beim Hamburger Weinsalon sogar zum besten Rotwein des Jahres gekürt. Thaller hatte damit bewiesen, daß die eher als frostempfindlich geltende Rebe, die vor allem in heißen Gegenden gut gedeiht, auch in der kühlen Steiermark zu einer erstaunlichen Qualität verarbeitet werden kann.
Auch im Weinviertel wird inzwischen mit Syrah gearbeitet. Peter Veyder-Malberg, Önologe des Schloßweinguts Graf Hardegg in Seefeld-Kadolz, gelang ein beachtlicher reinsortiger Syrah des Jahrgangs 1999. Malberg vermutet, daß in klimatischer Hinsicht das Weinviertel durchaus Parallelen zur nördlichen Côte du Rhone aufweist.
Doch vor allem die Burgenländer sind es, die dem Shiraz made in Austria eine große Zukunft voraussagen. Gernot Heinrich aus Gols etwa will für seine legendäre Spitzencuvée Gabarinza inzwischen auf Syrah nicht mehr verzichten. Das Weingut Weninger in Horitschon verwendet Syrah-Trauben, die in Ungarn angepflanzt wurden, und Josef Pöckl aus Mönchdorf erzeugte mit einer Mischung aus Zweigelt und Syrah sogar einen echten Kultwein. Name: Rêve de Jeunesse. Einziger Nachteil (für den Konsumenten): Wegen der geringen Menge ist der Wein schon ausverkauft, bevor er noch abgefüllt ist.
Das wird den Shiraz Brothers aus Deutschkreutz nicht so schnell passieren. Sie haben 1993 mit einer 300 Rebstöcke großen Versuchsreihe begonnen und haben jetzt fast 15 Hektar Shiraz in Ertrag.

