Sonntag, 7. April 2002

Argentiniens Präsident zuversichtlich wegen IWF-Kredit

  • IWF-Abkommen wäre Anstoß für andere Kreditgeber
  • Duhalde: "Argentinien ist auf internationale Hilfe angewiesen"

Die argentinische Regierung ist nach den Worten von Präsident Eduardo Duhalde (Bild) zuversichtlich, noch innerhalb des laufenden Monats ein Abkommen mit dem Internationalen Währungsfond (IWF) über neue finanzielle Zuwendungen abzuschließen. "Ich habe den Eindruck, dass der IWF uns helfen wird", sagte der Präsident des finanziell angeschlagenen Landes am Samstag in einem Gespräch mit einem lokalen Radiosender. "Auf jeden Fall müssen wir weiter mit der Delegation verhandeln, und ich hoffe, dass die Angelegenheit diesen Monat mehr oder weniger gelöst sein wird", sagte Duhalde.

"Argentinien ist auf internationale Hilfe angewiesen", sagte er und fügte hinzu, dass andere Länder wie Brasilien, Mexiko und Uruguay ebenfalls finanzielle Unterstützung von dem IWF erhalten hatten, "um ihre wirtschaftliche Erholung anzukurbeln".

IWF-Delegation in Argentinien
Ein Abkommen Argentiniens mit dem IWF könnte den Weg frei machen für finanzielle Unterstützung anderer multilateraler Kreditgeber. Seit dieser Woche befindet sich eine IWF-Delegation in Buenos Aires, um mit der argentinischen Regierung über deren Wirtschaftsprogramm zu verhandeln. Die Regierung erhofft sich nach früheren Angaben von den Gesprächen die Auszahlung einer Kredittranche über zehn Milliarden Dollar, die der IWF im Dezember vergangenen Jahres eingefroren hatte. Begründung des IWF war, dass die damalige argentinische Regierung unter Präsident Fernando de la Rua ihr Etatdefizit nicht in den Griff bekommen hatte.

Allerdings hatten IWF-Kreise vergangene Woche der Nachrichtenagentur Reuters gesagt, dass Argentinien nicht die gesamten zehn Milliarden Dollar erhalten werde. Sollten die Verhandlungspartner zu einem neuen Abkommen gelangen, würde dem lateinamerikanischen Land lediglich ein Betrag von rund fünf Milliarden Dollar zugesprochen, und damit gerade genug, um die dieses Jahr fälligen Kredite beim IWF zurückzuzahlen.

Argentinien leidet unter einer seit vier Jahren andauernden Rezession. Allein im vergangenen Jahr schrumpfte die Wirtschaft nach Angaben des Wirtschaftsministeriums vom März um 4,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Im Jahr 2000 hatte es einen Rückgang von 0,5 Prozent, 1999 ein Minus von 3,2 Prozent gegeben.

Das Land hatte im Dezember 2001 den Schuldendienst auf einen Teil seiner Verbindlichkeiten von insgesamt 141 Milliarden Dollar eingestellt und Anfang 2002 die zehn Jahre währende Eins-zu-Eins-Bindung an den Dollar gelöst. Seitdem war der Peso zeitweise auf ein Rekordtief von 3,75/4,00 Peso je Dollar gefallen und hatte damit seit seiner Abkopplung rund drei Viertel seines Werts verloren. Nach Stützungsmaßnahmen der argentinischen Zentralbank hatte sich der Kurs wieder etwas erholt.

7.4.2002 13:22