Dienstag, 2. April 2002

Gewalt im Nahen Osten treibt Ölpreis hoch

  • US-Ölpreise pendeln sich bei 27 Dollar ein
  • OPEC schließt Erdölboykott aus

US-Ölpreise haben sich am Dienstag nach dem Halbjahres-Hoch vom Vortag bei 27 Dollar eingependelt. Die OPEC hat mit Ablehnung auf einen irakischen Vorschlag reagiert, mit einem Drehen an der Ölschraube in den Nahost-Konflikt einzugreifen. "Es kommt überhaupt nicht in Frage, Erdöl als Waffe einzusetzen", sagte ein Vertreter der Organisation Erdöl exportierender Länder am Dienstag in Wien.

Der Ölpreis hat sich am Dienstag um sein Halbjahreshoch eingependelt, nachdem sich die arabischen Förderländer von dem von Irak geforderten Öl-Embargo distanziert hatten. Auch Analysten rechneten nicht damit, dass die arabischen Staaten dem Aufruf des Iraks folgen werden.

Experten zufolge ist der Ölpreis zwar mit Blick auf die weitere Entwicklung der Konjunktur derzeit ein Thema an den Märkten, allerdings gefährde er die Erholung nur dann, wenn er langfristig auf diesem hohen Niveau bleibe. Ein drastisches Zurückfahren des Ölangebots wie zu Zeiten der Ölkrise in den 70er-Jahren sehen die Volkswirte zunächst trotz jüngster Drohungen aus Iran und Irak nicht.

Preis pendelt sich bei 27 Dollar ein
An der Londoner Warenterminbörse International Petroleum Exchange (IPE) kletterte der Preis für ein Barrel (159 Liter) der marktführenden Nordsee-Sorte Brent zur Auslieferung im Mai auf ein Halbjahreshoch von 26,60 Dollar. Damit lag der Preis 0,68 Dollar über dem Schlusskurs vom Donnerstag. Der Mai-Kontrakt der US-Ölsorte Leicht fiel wieder von ihrem am Montag markierten Sechs-Monats-Hoch von 27,40 Dollar auf knapp unter 27,00 Dollar.

In einer Erklärung hatte die regierende irakische Staatspartei "Baath" am Montag die arabischen Staaten aufgefordert, mit einer Verknappung des Öls die Staaten zu bestrafen, die Israel unterstützen. "Setzt das Öl als Waffe im Kampf gegen den Feind ein", hieß es.

Trotz des Aufrufs setzten irakische Unternehmen nach Angaben aus Industriekreisen am Dienstag ihre Ausfuhren fort. "Die Exporte laufen von beiden Terminals weiter", hieß es. Am Mittag teilte der irakische Außenminister Humam Abdul-Chalek Abdul-Ghafur mit, sein Land wolle die Exporte einstellen, wenn der Iran es ihm gleich tue.

Die USA beziehen täglich rund zwei Drittel des vom Irak exportierten Öls, das sich zurzeit auf 1,6 Millionen Barrel je Tag (bpd) beläuft. Der Iran exportiert seit 1995 kein Öl in die USA, nachdem die US-Regierung damals den Öleinfuhr aus Iran verboten hatte.

Arabische Länder distanzieren sich von Irak-Vorschlag
Auf einer Tagung der Konferenz der Islamischen Staaten (OIC) im malaysischen Kuala Lumpur distanzierten sich die arabischen Erdöl-Förderländer am Dienstag von der Forderung des Iraks. Der Iran, zweitgrößter Exporteur der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC), reagierte vorsichtig auf die Absichten des Iraks. Es sei zwar "sehr effektiv", wenn der Ölpreis als Druckmittel im Nahost-Konflikt eingesetzt werde, sagte der iranische Außenminister Kamal Charassi am Rande der OIC. Darüber müssten jedoch alle islamischen Staaten gemeinsam entscheiden.

Kuwait lehnte es deutlich ab, den Ölpreis als Waffe einzusetzen. "Wir müssen realistisch sein, wenn wir über die Öl-Waffe sprechen. Das ist ein zweischneidiges Schwert, das uns mehr schaden würde als den USA - sowohl kurz- als auch langfristig", sagte ein Delegierter Kuwaits am Rande der OIC-Tagung. Mit dieser Maßnahme erreiche man auch nicht das gewünschte Ziel, den Palästinensern zu helfen.

Ähnlich schätzten Analysten die Konsequenzen eines Öl-Embargos der arabischen Staaten ein. "Es gäbe tief greifende wirtschaftliche Auswirkungen. Die Araber werden kaum die Öl-Waffe einsetzen", sagte eine saudi-arabischer Öl-Analyst. "Die Dinge sind heute ganz anders als in den 70er Jahren."

In den 70er Jahren hatten die arabischen Staaten ein Embargo gegen westliche Länder durchgesetzt. Der Ölpreis vervierfachte sich seinerzeit, und die Wirtschaft der betroffenen Länder erlitt erhebliche Schäden.

2.4.2002 06:21