Neo-ÖFB-Präsident stellte sein Programm vor
- Stickler will Patriotismus, Engagement und Begeisterung
- Krankl soll Zeit zum Aufbau bekommen
Am ersten Arbeitstag als Präsident des Österreichischen Fußball-Bundes (ÖFB) präsentierte Friedrich Stickler am Montag sein Programm der Öffentlichkeit. Der 53-jährige Vorstandsdirektor der österreichischen Lotterien will für das Nationalteam Patriotismus nach US-Vorbild, für den Nachwuchs Engagement wie in Norwegen und für die EM-Bewerbung 2008 eine positive Stimmung wie in Portugal vor dem Zuschlag für das Turnier 2004.
Stickler wurde von Ausrüster Puma mit dem Nationalteam-Trikot mit der Nummer eins beschenkt und symbolisch in den Kreis des ÖFB-Teams aufgenommen. Teamchef Hans Krankl hat von seinem neuen Chef allerdings keine Interventionen zu erwarten. "Ich werde mich nicht einmischen. Es sei denn, ein Spieler nimmt die Einberufung nicht ernst", erklärte Stickler und appellierte an den Patriotismus der Teamspieler, wie er auch in den USA vorherrscht. "Das fehlt vielleicht hier, dass man stolz ist auf dieses Land. Mit dem Patriotismus, den Hans Krankl an den Tag legt, bin ich sehr einverstanden", meinte der ÖFB-Präsident.
Stickler will Krankl in Ruhe arbeiten lassen
Und er gibt Krankl auch Zeit, sein Projekt zum Aufbau einer starken Mannschaft für die EM 2008 zu realisieren. "Das ist kein Kurzzeit-Pojekt. Er kann auch drei, vier Spiele verlieren, und es wird von mir keine Trainerdiskussion geben. Er kann sich darauf verlassen, dass keine Nervosität ausbricht", betont Stickler, der aber hofft, dass der Übergang in die Zukunft parallel mit einer Verbesserung im FIFA-Ranking (derzeit Rang 58) gelingt. Krankl spielte den Ball zurück, sprach von gegenseitiger Sympathie und Vorfreude auf das erste gemeinsame Länderspiel am 17. April in Wien gegen Kamerun. "In die Aufstellung wird sich der Präsident nicht einmischen, sonst kann er sich einen neuen Teamchef suchen", meinte Krankl.
Unterstützung für den "österreichischen Weg"
Für den Fußball im Allgemeinen und den Nachwuchs im besonderen schwebt dem neuen ÖFB-Boss eine Einstellung wie in Norwegen vor, wo zehn Prozent aller Einwohner Fußball spielen (Österreich: ca. 5 Prozent). "Da gibt es eine klare Sicht, dass Fußball Teil des gesellschaftlichen Lebens ist", sagt Stickler. Das Konzept von Willi Ruttensteiner ("Der österreichische Weg") soll die Talente fit machen, Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer hat mit Stickler und Bundesliga-Präsident Frank Stronach die Schirmherrschaft über das Projekt übernommen.
Stickler verlangt "portugiesische Begeisterung"
Das große Projekt für dieses Jahr hat Stickler von seinem Vorgänger Beppo Mauhart "geerbt": Die gemeinsame Bewerbung mit der Schweiz für die EM-Endrunde 2008. Nachdem die Kandidatur für 2004 gescheitert ist, erhofft er sich nun viel Enthusiasmus in der Bevölkerung: "Portugal hat das Turnier 2004 bekommen, weil das UEFA-Komitee das Gefühl hatte, die Portugiesen brennen für dieses Projekt. In Österreich ist dies nicht wirklich gelungen, es braucht diese Unterstützung im Land."
Finanzkrise ist für Neo-Präsident Sache der Bundesliga
Die finanziellen Probleme österreichischer Klubs seien in erster Linie das Problem der Bundesliga, "der ÖFB kann nicht als Oberkontrollor der Bundesliga auftreten", so Stickler. "Wir hoffen aber sehr, dass es gelingt, Tirol zu sanieren. Es wäre katastrophal, wenn der österreichische Meister absteigen müsste." Der ÖFB selbst sieht in eine geregelte Zukunft. Der Vertrag mit dem ORF soll demnächst um zwei weitere Jahre verlängert werden.

