Deutsche Bundesliga in Angst vor Kirch-Pleite
- Bund und Länder erwägen Bürgschaften von 200 Millionen Euro
- Zahlreiche Profi-Vereine in ihrer Existenz bedroht
Der Bund und mehrere Landesregierungen erwägen Bürgschaften von 200 Mill. Euro für die deutsche Fußball-Bundesliga, um im Falle einer Insolvenz der Kirch-Gruppe einen Konkurs zahlreicher Profi-Vereine zu verhindern. Ein Sprecher der nordrhein-westfälischen Landesregierung sagte am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters, das Land Nordrhein-Westfalen sei grundsätzlich bereit, sich neben anderen Bundesländern und dem Bund an einer Bürgschaft für die Liga zu beteiligen. 200 Mill. Euro seien "als maximale Obergrenze" in Erwägung gezogen worden.
Die Bundesliga wolle mit Hilfe der Politik verhindern, dass die Krise bei dem hoch verschuldeten Medienunternehmen Kirch auch auf den Profifußball durchschlage, berichtete die "Süddeutsche Zeitung" in ihrer Donnerstagausgabe. Die sich abzeichnende Pleite von Kirch drohe auch die meisten Fußballklubs der ersten und zweiten Liga in den finanziellen Ruin zu treiben, da sie von den Millionen-Honoraren des Kirch-Konzerns für die Fernseh-Übertragungsrechte abhängig seien. In Kreisen hatte es am Mittwoch geheißen, eine Insolvenz bei Kirch werde immer wahrscheinlicher.
Liga verhandelt mit Bund und Ländern
Liga-Präsident Werner Hackmann habe die 36 Vereine der ersten und zweiten Liga kürzlich darüber informiert, dass Bund und Länder für eine Bürgschaft gewonnen werden sollten, berichtete die Zeitung weiter. Es habe mit dem Bund und den Ländern auf Arbeitsebene bereits Verhandlungen gegeben, hieß es unter Berufung auf Aussagen von Hackmann. Ein Sprecher der Bundesregierung sagte in Berlin, es habe "konstruktive Gespräche" gegeben. Beim Ligaverband liefen die Gespräche über den Geschäftsführer der Deutschen Fußball-Liga, Wilfried Straub, und bei der Bundesregierung kümmere sich Wirtschafts- Staatssekretär Alfred Tacke um das Thema, berichtete die Zeitung zudem.
Bundesliga soll Liquidität ermöglicht werden
Tacke und der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Wolfgang Clement (SPD) hätten in Absprache mit Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) bereits Mitte Februar mit Hackmann, Straub und weiteren Fußball-Managern gesprochen. "Bei diesen Gesprächen ist verhandelt worden, dass Bund und Länder der Bundesliga ein halbes Jahr Liquidität verschaffen wollen, damit in dieser Zeit die TV-Vermarktung neu geregelt werden kann", zitierte die Zeitung die Mediens-Staatssekretärin von Clement, Miriam Meckel. Die nächsten Raten von Kirch für die Übertragungsrechte in Höhe von je knapp 100 Mill. Euro seien Anfang Mai und Anfang August fällig. Kirchs Vertrag mit der Bundesliga laufe bis Mitte 2004. Bis dahin müsse Kirch insgesamt 900 Mill. Euro bezahlen.
