Dienstag, 2. April 2002

Rogan: Kurzbahn-WM als Experiment

  • Der Wiener geht in Moskau volles Risiko

Für Markus Rogan werden die Kurzbahn-Weltmeisterschaften in Moskau zum Experiment. Erstmals seit Ende 1999 (!) schwimmt er am Mittwoch wieder einen Wettkampf auf einer 25-m-Bahn. Insgesamt elf Stunden Zeitunterschied binnen weniger Tage gilt es für den Wiener zu verdauen und dann muss der 19-Jährige auch noch sieben hochkarätige Wettkämpfe exklusive Vorläufe und Semifinale binnen zehn Tagen verkraften. Doch dieses volle Risiko gerade vor einem Saison-Höhepunkt nimmt das VÖS-Ass bewusst in Kauf.

Es blieb ihm auch keine andere Wahl. "Die NCAA-Finals sind in den USA enorm wichtig, da durfte ich nicht fehlen. Die WM ist meinem Trainer Skip Kenney hingegen egal. Die schwimm' ich nur für mich, meinen Verein und für Österreich", gibt sich der Vize-Weltmeister patriotisch. Schon nächste Woche geht es für den zweifachen NCAA-Champion in Stanford weiter, beginnt die Langbahn-Saison. Daran schließt Ende Juli unmittelbar die Langbahn-EM in Berlin an. Der SV-Schwechat-Athlet ist also im permanenten Wettkampfstress.

Monsterprogramm als Test für künftige Weltcup-Starts
Einerseits ist das extrem belastend, anderseits nimmt Rogan speziell sein Monsterprogramm rund um die WM als willkommenen Test für künftige Weltcup-Starts. Da geht es Schlag auf Schlag, wobei die Kontinente öfters gewechselt werden. Nach der zweiten Trainingseinheit im Olympiisky-Sports-Komplex machten dem 1,98-m-Hünen die Begleitumstände jedenfalls noch leicht zu schaffen. "Ich bin um halb sechs aufgestanden, da ist es für mich eigentlich Nachmittag. Etwas schwere Beine hab' ich schon noch."

Um gut zu regenerieren, befolgte Rogan wie auch Podoprigora die Anordnung von VÖS-Delegationsleiter Kurt Herzig, das Telefon in der Nacht abzustellen. Macht man das nicht, kann man in den offiziellen WM-Unterkünften nämlich davon ausgehen, mehrmals pro Nacht eindeutige Angebote diverser Damen zu bekommen. Einige probieren's auch direkt an der Zimmertür. Gerade das Athleten-Hotel ist dafür besonders berüchtigt.

Auch ein anderes Problem, die Umstellung von Yards auf Meter, hatte Rogan am Dienstag einigermaßen in Griff. Beim Weltcup-Meeting in Maryland vor knapp zweieinhalb Jahren ist er zuletzt auf einer Meter-Kurzbahn gestartet, das richtige Timing kommt daher nur schrittweise. "Es ist schwierig, da die zweieinhalb Meter mehr pro Länge einen halben Zug mehr sowie eine etwas andere Atmung verlangen. Daraus ergibt sich auch eine andere Wendetechnik. Aber zwei von drei Wenden funktionieren schon."

Österreichs Aushängeschild zog übrigens beim Training die Aufmerksamkeit der Brasilianer auf sich, trug er doch eine ihrer Badehosen. "Die hab' ich seit der Jugend-EM 1999. Wir machen das wie beim Leiberltausch im Fußball. Nur, dass wir die Badehosen nicht am Beckenrand, sondern erst später tauschen", meinte er lächelnd. Die damalige Jugend-EM fand wie die World-Youth-Games 1998 auch in Moskau statt. Bei diesen Events holte er je zwei Mal Silber und Bronze. Die Vorgabe für die kommenden Tage ergibt sich also von selbst.

2.4.2002 12:21