Sachverständige beim Omofuma-Prozess am Wort
- Was war die Todesursache? Experten widersprachen einander
Beim Prozess um den Tod des Schubhäftlings Marcus Omofuma waren am Mittwoch die gerichtsmedizinischen Sachverständigen am Wort. Ob der Tod des Nigerianers bei seinem Abschiebeflug nach Sofia am 1. Mai 1999 tatsächlich durch die Fesselungen bzw. das Verkleben des Mundes verursacht wurde, konnte durch die Ausführungen der Experten nicht geklärt werden.
Der Wiener Neuropathologe Herbert Budka hatte das Gehirn Omofumas eingehend untersucht. Er fand "Anzeichen eines akuten Blutstaus" und "einer Sauerstoffunterversorgung des Gehirns kurz vor dem Tod". Omofuma habe längere Zeit an einem Sauerstoffmangel gelitten, "mindestens eine halbe Stunde vor dem Tod. Wahrscheinlich mehrere Stunden", erklärte der Sachverständige. Über die Ursachen dafür konnte er nichts Konkretes sagen. Die Veränderungen des Gehirns wären aber mit einem Erstickungszustand in Einklang zu bringen.
Reiter: Herzfehler an Tod Omofumas schuld
"Der Tod trat bei Marcus Omofuma infolge einer Überlastung eines krankhaft vorgeschädigten Herzens durch körperliche Überanstrengung und aufgeregt Sein ein", sagte hingegen der Wiener Gerichtsmediziner Christian Reiter. Ein ursächlicher Zusammenhang zwischen der Fesselung und dem Mund Verkleben des Schubhäftlings und seinem Ableben sei "nicht zu belegen". Reiter erklärte, Omofuma habe an einer zu Lebzeiten nicht erkennbaren "dahin schwelenden Herzmuskelentzündung" gelitten. Diese sehr selten auftretende Myokarditis könne bei einer Kreislaufbelastung, wie sie bei dem sich gegen seine Abschiebung wehrenden Nigerianer gegeben, war, zum plötzlichen Tod führen.
Reiter berief sich bei seinen Ausführungen auf Tom Aretz, einen Spezialisten aus Boston. Er habe dem "Papst der Herzpathologie" (Reiter) per E-Mail sämtliche relevanten Unterlagen mit der Bitte um eine Stellungnahme zukommen lassen. Dessen Antwort: "Ich stimme Ihnen zu, das ist Myokarditis." Aretz führte laut Reiter den Tod Omofumas auch als mögliche Reaktion auf die Einnahme von Antibiotika zurück, mit denen der Schwarzafrikaner seine Atemwege behandelt hatte.
Reiter schloss in seinem Gutachten einen Sauerstoffmangel als mögliche Todesursache eher aus. Dies hätte zu Bewusstlosigkeit, "aber nicht zwingend zum Tod des Mannes" führen können, erklärte der Wiener Gerichtsmediziner. Auch ein Druckstau infolge der Brustkorbkompression durch Anlegen eines Zerrgurts hat seiner Meinung nach nicht zum Ableben von Marcus Omofuma geführt.
Brinkmann: "Herz war nicht krank"
Bernd Brinkmann, Rechtsmediziner aus Münster, meinte zum Gutachten Reiters, wonach Myokarditis ausschlaggebend für den Tod von Omofuma war: "Dieser Befund ist nebensächlich." Sein Team habe ebenfalls das Herz des Schwarzafrikaners genau untersucht: "Das Herz ist mit Sicherheit nicht krank gewesen." Zur möglichen Todesursache hielt Brinkmann fest: "Es gibt etliche Befunde, die für einen Tod durch Ersticken - damit meine ich Sauerstoffmangel - sprechen". Dieser Prozess habe "langsam" gewirkt.
Wie lange Omofuma gegen seinen Tod angekämpft hat, konnte Brinkmann nicht sagen: "Das weiß ich leider nicht. Irgendwann wird ein Zeitpunkt entstanden sein, bei dem die Kompression gewirkt hat. Hier hat irgendwann ein Erstickungsmechanismus gewirkt, der zehn, 20, 30 Minuten oder länger gedauert hat. An dessen Ende hat der Herzstillstand gewirkt."
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