Ungarn-Wahl: Sozialisten gewinnen ersten Wahlgang
- Stimmenverteilung: Sozialisten 42,04%, Fidesz 41,12%
- Rechtsextreme fallen unter 5%-Hürde
Entgegen aller Vorhersagen haben die Sozalisten die erste Runde der Parlamentswahl in Ungarn gewonnen. Nach dem vorläufigen Ergebnis der Wahlbehörde entfielen auf die Sozialisten 42,04% der Stimmen. Die bisher regierende konservative "Fidesz" von Ministerpräsident Orban liegt mit 41,12% knapp dahinter. Drittstärkste Kraft sind die Liberalen (5,55%). Die rechtsradikale MIEP verfehlte mit 4,36% den Einzug ins Parlament. Die endgültige Entscheiduing fällt wegen des komplizierten Wahlrechts erst im zweiten Wahlgang.
Die Wahlbeteiligung erreichte mit 71,03 Prozent eine Rekordhöhe.
Als dritte Kraft im Parlament konnten sich die Liberalen (SZDSZ) mit 5,55 Prozent etablieren. Die rechtsradikale Ungarische Wahrheits- und Lebenspartei (MIEP) von Istvan Csurka verfehlte mit 4,36 Prozent die für den Parlamentseinzug erforderliche Fünf-Prozent-Hürde ebenso wie alle anderen landesweit angetretenen Parteien. Einen Achtungserfolg konnte die neu gegründete Zentrumspartei mit 3,88 Prozent erzielen.
Mit dem Ergebnis von Sonntag steht Ungarn eine ungemein spannende zweite Wahlrunde am 21. April bevor. In den kommenden Tagen werden sich beide Großparteien bemühen, die letzten Reserven zu mobilisieren und in den noch nicht entschiedenen Einzelwahlkreisen die Wähler auf ihre Seite zu ziehen. Schon in der Wahlnacht zeichnete sich am Sonntag ab, dass die Sozialisten mit den Liberalen über einen potenziellen Bündnispartner verfügen.
Dass in den nächsten zwei Wochen um jede Stimme gekämpft werden wird, machte auch Ministerpräsident Orban (Fidesz) in einer ersten Stellungnahme klar. Vor begeisterten Anhängern sprach er von einer "ausgeglichenen ersten Runde, mit leichten Vorteilen für die Sozialisten". Jetzt stünden "zwei harte Wochen" bevor. "Das bürgerliche Ungarn" sei nun aufgerufen, den Unterschied von 45.000 Stimmen aus der ersten Wahlrunde wettzumachen.
Von den 386 Abgeordnetensitzen werden 176 in Einzelwahlkreisen nach dem Mehrheitswahlrecht und die übrigen 210 nach dem Verhältniswahlrecht an jene Parteien vergeben, die über die Fünf-Prozent-Hürde kamen. Wegen dieser Kombination ist es möglich, dass einzelne Kandidaten in Einzelwahlkreisen in zwei Wochen noch den Parlamentseinzug schaffen, auch wenn ihre Partei landesweit gescheitert ist. Am Sonntag schafften bereits 44 Kandidaten ein Direktmandat, davon gingen 24 an die Sozialisten, 19 an Fidesz und eines an einen gemeinsamen MSZP-SZDSZ-Kandidaten.
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