Neonazi-Aufmarsch in Leipzig abgesagt
- Bis zu 10.000 Demonstranten gegen 1000 Rechtsextreme
- Neonazis brechen Marsch nach Verzögerungen ab

In Leipzig haben bis zu 8.000 Menschen gegen den geplanten Aufmarsch von etwa 1.000 Rechtsextremisten demonstriert. Die Neonazis sagten ihren Aufmarsch ab, nachdem die Teilnehmer zu Polizeikontrollen stundenlang festgehalten worden waren. Das Gericht hatte ihnen erlaubt, vom Hauptbahnhof zum Völkerschlachtdenkmal zu ziehen - allerdings nur innerhalb einer bestimmten Zeit.
Zu gewaltsamen Ausschreitungen wie bei zwei Aufmärschen in Leipzig im vergangenen Herbst kam es nicht. Lediglich kurz vor Ende der Veranstaltung gerieten nach Polizeiangaben im Bahnhof Rechtsextremisten und Gegendemonstranten aneinander. In der City warfen Linksautonome mehrere Schaufensterscheiben ein; dabei gab es mehrere Festnahmen.
In die Messestadt waren Neonazis aus dem gesamten Bundesgebiet gereist, insgesamt aber 300 weniger als erwartet. Die Polizei hatte rund 4.000 Beamte im Einsatz.
Mit einem Friedensgebet und Gesängen in der überfüllten Nikolaikirche - bei der Wende 1989 Ausgangspunkt der Montagsdemonstrationen - waren am Vormittag die Bürgerproteste gestartet. Oberbürgermeister Wolfgang Tiefensee (SPD) sagte später auf der Kundgebung: "Wir sind das Volk, das gewaltlos und friedfertig diese Welt verändern wird." Er nahm damit Bezug auf das von den Neonazis für ihren Aufmarsch verwendete Motto "Gegen Repression und für Demonstrationsfreiheit, wir sind das Volk!"
An dem Protest gegen den Aufmarsch der Neonazis beteiligten sich auch Delegierte des in Leipzig tagendenden Bundeskongress der FDP- Jugendorganisation Junge Liberale. Mit Tröten und Konfetti hatten Gegendemonstranten unter dem Motto "Leipzig lacht über den Karneval in Braun" den Neonazi-Aufmarsch lächerlich gemacht.
Unterdessen hat der Hamburger Neonazi Worch fünf weitere Aufmärsche für Sommer und Herbst in Leipzig angemeldet. Oberbürgermeister Tiefensee kündigte an, es werde geprüft, ob diese Veranstaltungen verhindert werden können.
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