Freitag, 5. April 2002

Bewegungsmangel bei Kindern führt zu Unfällen

  • Studie "Sicher Leben": Computer und TV statt Bewegung

Jährlich müssen rund 50.000 Kinder im Alter von 3 bis 6 Jahren nach einem Unfall im Bereich Heim, Freizeit und Sport in ärztliche Behandlung. Einer der Gründe: Mangelnde Bewegung. Dies ergab eine aktuelle Studie des Institus "Sicher Leben".

Kleine Kinderzimmer, beengte Wohnungen, Spiel- und Sportplätze, die für Kinder nur mit Hilfe von Erwachsenen erreichbar sind, verursachen Bewegungsarmut bei Kindern. Kinder, die über wenig "Bewegungsraum" verfügen, werden "bewegungsungeübt" und sind unfallgefährdeter als andere.

"Computer und Fernseher nehmen heute einen bedeutsamen Platz im Alltag der Jüngsten unserer Gesellschaft ein. Es ist uns daher ein besonderes Anliegen, dass Kinder vor allem Bewegungsfreude und -sicherheit erlangen. Wettkämpfe und der damit verbundene Leistungsdruck sind eher kontraproduktiv, da Kinder dadurch entmutigt werden", betont Mag. Werner Schwarz, sportwissenschaftlicher Koordinator des Bundesministeriums für öffentliche Leistung und Sport.

Unfallgefahr steigt durch Überängstlichkeit
Vor allem Vorschulkinder sind betroffen. Dr. Rupert Kisser, Leiter des Institutes "Sicher Leben", verweist auf die mangelnden motorischen Fähigkeiten und Fertigkeiten, die häufig Unfallursache bei Stürzen sind, und warnt vor übertriebener Ängstlichkeit: "Fehlende Kraft, zu lange Reaktionszeiten, nicht ausreichend entwickeltes Gleichgewicht sowie die fehlende Ausdauer und Koordinationsfähigkeit sind verantwortlich, dass es zu Stürzen kommt. Nicht nur Übermut führt zu Unfällen - die Unfallgefahr steigt insbesondere durch Überängstlichkeit."

Mehr Sicherheit durch mehr Bewegung
Damit diese Fähigkeiten wieder "erlernt" werden können, startet "Sicher Leben", gemeinsam mit dem Bundesministerium für öffentliche Leistung und Sport, der Generali Gruppe Österreich, dem Fonds Gesundes Österreich und dem Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur, das Projekt "Mehr Sicherheit durch mehr Bewegung".

Hauptziele des Projekts sind Information und bewusstseinsbildende Maßnahmen bei Kindern und deren Eltern einerseits und eine praktische Anleitung zur Bewegungsförderung in Kindergärten andererseits. Weiters soll der Zusammenhang zwischen Unfallverhütung und Bewegung aufgezeigt und Bewegungsförderung in den Tagesablauf der Kindergärten verankert werden. "Zum Kindsein gehört Bewegung und auch die Möglichkeit Erfahrungen zu sammeln. Kleine Blessuren sind nicht zu vermeiden und müssen sogar im Sinne einer guten Entwicklung des Kindes in Kauf genommen werden. Wir müssen allerdings dafür sorgen, die Umgebung der Kinder so sicher zu machen, dass schwerste Verletzungen, wie Stürze mit dem Laufwagerl, Verbrennungen und Verbrühungen im Haushalt oder Verletzungen durch defekte Spielgeräte, nicht passieren können", verweist Dr. Hans Peer, Vorstandsvorsitzender der Generali Gruppe Österreich, auf die soziale Verantwortung gegenüber den Jüngsten.

Kindergartenmappen mit dem Titel "Mehr Sicherheit durch mehr Bewegung" wurden im Rahmen des Projektes zur gratis Verteilung in Kindergarteneinrichtungen und Fortbildungsstätten hergestellt. Die Mappe wurde gemeinsam mit den Autorinnen Doris Koller, Sylvia Kummetz und Martina Pfohl-Chalaupek entwickelt.

Pilotversuch an 40 Kindergärten
In 40 Kindergärten werden unter dem Motto "Sicherheitserziehung durch ganzheitliche Bewegungsförderung im Kindergartenalltag" Pilotversuche gestartet. Als Grundlage gelten die praktischen Anleitungen der Kindergartenmappe. Die erarbeiteten Ideen, Anregungen und Materialien zur Bewegungsförderung werden unter fachlicher Anleitung und Unterstützung in den Kindergärten praktisch umgesetzt.

5.4.2002 10:25