Donnerstag, 4. April 2002

Leiche in Linz nach mehr als zwei Jahren entdeckt

  • Nachbarn bemerkten wegen offenem Fenster Geruch nicht

Die Leiche eines Mannes, der vermutlich vor rund zwei Jahren in seiner Wohnung Selbstmord begangen hat, wurde am Donnerstag in Linz entdeckt. Der Tote war bis dahin niemand abgegangen. Gefunden wurde er erst, als Mitarbeiter der Wohnungsgesellschaft Nachschau hielten, weil die Miete schon seit einem Jahr nicht bezahlt worden war.

Die alarmierte Kriminalpolizei stellte vorerst keine Hinweise fest, die ein Fremdverschulden vermuten lassen. Es wurde zwar kein Abschiedsbrief gefunden, doch in der Wohnung lagen unangetastet Wertgegenstände und Sparbücher. Der Tote, der heuer im Sommer 60 Jahre alt geworden wäre, dürfte vor rund zwei Jahren Selbstmord begangen haben, indem er sich mit einem Elektrokabel am Fenster erhängte. Der Zeitpunkt des Selbstmordes wurde daraus ermittelt, dass in der Wohnung Post gefunden wurde, die zuletzt aus dieser Zeit stammt, beziehungsweise im Kühlschrank eine Milchpackung mit Ablaufdatum März 2000.

Der Selbstmörder hat vor seiner Verzweiflungstat die Fenster seiner Mansardenwohnung geöffnet. Das und die Lage im obersten Stockwerk des Gebäudes verhinderten, dass sich Leichengeruch in das übrige Haus ausbreitete. So bemerkten auch die Nachbarn nichts von seinem Tod.

Die Bank des Mannes überwies dem Vermieter - das ist die Gemeinnützige Wohnungsgesellschaft der Stadt Linz (GWG) - seit rund einem Jahr keine Miete mehr. Der Mietvertrag war 1976 abgeschlossen worden. Zunächst waren Mahnschreiben an ihn geschickt worden, die jedoch entweder nicht beantwortet wurden oder mit dem Hinweis "unzustellbar" sowie "verzogen" zurückkamen. Später wurde eine Klage bei Gericht eingebracht, die aber erfolglos blieb, weil eine Zustellung der Gerichtsbriefe nicht möglich war. Erkundigungen der Wohnungsgesellschaft bei Nachbarn ergaben ebenfalls keine Hinweise auf den Verbleib des Mannes.

Zuletzt entschloss sich die GWG zu einer Nachschau am Donnerstag. Ein dazu angeforderter Schlosser hatte leichtes Spiel, die Wohnungstür war nicht zugesperrt, sondern nur zugezogen. Als sie geöffnet war, machten die Mitarbeiter der Wohnungsgesellschaft den grausigen Fund. Die Leiche war teils verwest, teils mumifiziert.

Keine Hinweise auf Verwandte
Die Linzer Kriminalpolizei hat Ermittlungen aufgenommen. Hinweise auf Angehörige entdeckte sie vorerst nicht. Wenn sie nach der Klärung aller Umstände die Wohnung freigibt, soll sie geräumt, gesäubert, wenn nötig desinfiziert und schließlich wieder vermietet werden.

4.4.2002 14:53