Ostmafia-Fahnder: Vierter Polizist festgenommen
- U-Haft über andere drei Wiener Mafia-Fahnder verlängert
- Verdachtslage gegen EDOK-Beamte angeblich erhärtet

Im Wiener Landesgericht ist am Mittwoch die U-Haft über jene drei Mafia-Fahnder verlängert worden, die Anfang April unter dem Verdacht festgenommen worden sind, der Amtsverschwiegenheit unterliegende Informationen an einen Mafioso weitergegeben zu haben. Außerdem wurde eine vierte Person verhaftet: Bei dem Verdächtigen handelt es sich um einen Sicherheitswachebeamten der Bundespolizeidirektion (BPD) Wien, wie Chefinspektor Robert Sturm, Sprecher des Innenministeriums, erklärte.
U-Richter Peter Seda begründete seine Entscheidung mit Tatbegehungs- und Verdunkelungsgefahr. Nächster offizieller Haftprüfungstermin ist der 15. Mai. Nach einer Auswertung eines ersten Teils der Telefon-Überwachungs-Protokolle sowie von Beweismaterial, das im Zuge von Hausdurchsuchungen bei den Beamten der - mit Ende 2001 offiziell aufgelösten - Einsatzgruppe zur Bekämpfung der Organisierten Kriminalität (EDOK) sicher gestellt werden konnte, soll sich die Verdachtslage angeblich erhärtet haben. Gegen die Mafia-Fahnder wird in Richtung Amtsmissbrauch und Beteiligung an einer kriminellen Organisation ermittelt.
Konkret geht es vor allem um angeblich frühzeitig verratene Informationen, welche laufende Erhebungen gegen den mutmaßlichen Mafiapaten Jeremiasz B. betroffen haben. Der gebürtige Pole war im Juli 2001 von der Soko Nord - einer Sondereinheit der Kriminalabteilung Niederösterreich - verhaftet worden. Er steht im Verdacht, den Mord am ehemaligen polnischen Sportminister Jacek Debski in Auftrag gegeben zu haben. Debcsi wurde am 11. April 2001 in Warschau auf offener Straße erschossen.
Die Soko Nord bemühte sich, Licht in dieses undurchsichtige Verbrechen zu bringen, soll dabei aber von den nunmehr aus dem Verkehr gezogenen EDOK-Fahndern behindert worden sein. So heißt es etwa, Jeremiasz B. - er besitzt die österreichsche Staatsbürgerschaft - hätte von diesen im vorab von geplanten Ermittlungsschritten erfahren, was zum Teil sogar Beamte der Soko Nord in nicht unerhebliche Gefahr gebracht haben soll. Selbst als B. im Gefängnis saß, soll der Informationsfluss nicht abgerissen sein.
Oberstleutnant Josef B. und Chefinspektor Josef H. bestreiten eben so wie der dritte verdächtige EDOK-Beamte die gegen sie erhobenen Vorwürfe. Sie sehen sich als Opfer einer polizeiinternen Intrige, in der nach ihrem Dafürhalten auch die "politische Farbenlehre" eine Rolle spielen soll. Welche Vorwürfe gegen den Sicherheitswachebeamten erhoben werden, wollte Sturm am Mittwoch nicht sagen.
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