Montag, 1. April 2002

Trauerfeier für die Opfer des Amoklaufs von Nanterre

  • 14.000 Menschen bei Trauerfeier
  • Staatspräsident Chirac und Premier Jospin nehmen teil

Mit einer feierlichen Zeremonie hat Frankreich Abschied von den acht Todesopfern des Amokschützen von Nanterre genommen. Etwa 14.000 Menschen versammelten sich nach Angaben der Behörden am Dienstag zu einer Trauerfeier im Sportstadion der Gemeinde bei Paris. Darunter waren auch der französische Staatspräsident Jacques Chirac, Premierminister Lionel Jospin und Parlamentarier aller Parteien.

Die kommunistische Bürgermeisterin Nanterres, Jacqueline Fraysse, die die Bluttat vor einer Woche selbst miterlebte, forderte angesichts des Selbstmordes des Täters eine lückenlose Aufklärung des Tathergangs. "Die Justiz muss von Anfang bis zum Schluss klären, was vorgefallen ist", sagte sie.

Der psychisch gestörte Richard Durn hatte am vergangenen Mittwoch im Rathaus acht Stadträte erschossen und sich einen Tag später während eines Verhörs aus dem Pariser Justizpalast in den Tod gestürzt. Frankreich reagierte mit Entsetzen und Empörung auf die Bluttat, die trotz des intensiven Wahlkampfes bisher kaum als Argument für einen stärkeren Staat eingesetzt wurde.

Vor den Fotos der Toten im Stadion legten Politiker und Bürger Nanterres - viele von ihnen unter Tränen - rote und weiße Rosen nieder. Die Flaggen wehten auf Halbmast. Geschäfte, Behörden und die Universität der Stadt blieben geschlossen und hatten zum Zeichen der Trauer schwarze Bänder an ihre Türen gebunden.

Vier Männer und vier Frauen kamen ums Leben
Im Kugelhagel des Mörders waren vier Männer und vier Frauen im Alter zwischen 30 und 58 Jahren gestorben. Der 33-Jährige hatte nach einer Haushaltssitzung zwei Waffen gezogen und ruhig und gezielt zu schießen begonnen. Er habe sie alle töten wollen, sagte die Bürgermeisterin nach der Tat. Durn war seit Jahren in psychiatrischer Behandlung und hatte davon gesprochen, sich und andere umbringen zu wollen.

Die Umstände seines Selbstmordes werden noch untersucht. Bisher waren keine Unregelmäßigkeiten der Beamten zu erkennen. Der endgültige Bericht soll nach den Trauerfeiern veröffentlicht werden. Von den 19 Verletzten waren am Dienstag noch sechs Stadträte im Krankenhaus. Einer von ihnen lag noch im Koma.

1.4.2002 21:13