Montag, 1. April 2002

Terrorismus-Konferenz islamischer Staaten in Malaysia

  • Folgen des 11.September und Lage in Nahost im Mittelpunkt
  • Mahathir ruft Israel zum Rückzug auf

In der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur hat am Montag eine Terrorismus-Konferenz der islamischen Staaten begonnen. Diplomaten aus 52 Staaten der Organisation der Islamischen Konferenz (OIC) eröffneten das Treffen vor einer Ansprache des malaysischen Regierungschefs Mahathir Mohamad mit Gebeten.

Palästinensische Selbstmordattentäter und israelische Soldaten sind nach den Worten des malaysischen Ministerpräsidenten Mahathir Mohamad gleichermaßen Terroristen. Zugleich rief er Israel zum Rückzug aus dem Westjordanland auf, ansonsten werde die Welt das Land zum Abzug zwingen.

Mahathir sprach sich am Montag zu Beginn des Außenministertreffens der Organisation der Islamischen Konferenz (OIC) in Malaysia für eine Definition von Terrorismus aus, die jede Gewalt gegen Zivilisten beinhalten soll. Dazu gehörten etwa die Anschläge in den USA vom 11. September, Selbstmordanschläge von Palästinensern oder den Tamilen in Sri Lanka sowie die Einsätze der israelischen Armee im Westjordanland. Die Minister beraten in der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur drei Tage über die Ursachen des Terrorismus.

Im Kampf gegen Terroristen dürften jedoch nicht die Ursachen für ihre gewaltsamen Handlungen übersehen werden, sagte Mahathir weiter. "Wir dürfen sie nicht einfach als sinnlose Perverse abtun, die Gefallen daran finden, Menschen zu terrorisieren", sagte Mahathir. Der iranische Außenminister Kamal Kharrazi unterstützte Mahathir und unterstrich ebenfalls die Notwendigkeit, die Ursachen der Gewalt zu berücksichtigen.

"Der Holocaust hat die Juden nicht besiegt. Ein zweiter Holocaust mit den Arabern als Opfern wird die Araber auch nicht besiegen", sagte Mahathir. Israel müsse sich für eine Deeskalierung des Terrors entscheiden. Sollten die Israelis das nicht tun, "dann muss die Welt sie gewaltsam aufhalten". Zudem warnte Mahathir davor, Palästinenser-Präsident Yasser Arafat weiter zu belagern.

"Israel führt Region in einen Krieg"
Die Außenminister der Islamischen Konferenz haben das Vorgehen Israels in den Palästinensergebieten scharf kritisiert. In einer Erklärung hieß es, die israelische Aggression gegen die Palästinenser führe die Region in einen "totalen Krieg". Die Außenminister forderten die Vereinten Nationen auf, Sanktionen gegen Israel zu verhängen. Sie verurteilten die "israelische Aggression" und unterstrichen ihre Unterstützung für den Kampf der Palästinenser um ihre "unveräußerlichen nationalen Rechte".

Der OIC gehören insgesamt 57 Staaten an. Sie ist weltweit die größte moslemische Organisation. Mitglieder wie Saudiarabien, Ägypten, Jordanien und Syrien haben statt ihrer Außenminister weniger hochrangige Repräsentanten nach Kuala Lumpur entsandt.




Auf der dreitägigen Konferenz wollen die islamischen Staaten eine gemeinsame Linie bei der Terrorismusbekämpfung abstecken und eine UNO-Terrorismus-Konferenz vorbereiten. Neben den Folgen der Terroranschläge vom 11. September dürfte auch das harte israelische Vorgehen gegen die Palästinenser einen großen Stellenwert einnehmen.

1.4.2002 09:37