Montag, 1. April 2002

Spiegelgrund-Opfer: Weltweite Beachtung f. Begräbnis

  • Zahlreiche ausländische Journalisten am 28. April erwartet
  • Vorbereitungen für Feier am Wiener Zentralfriedhof

Die Vorbereitungen für die Bestattung jener Kinder, die ihren Aufenthalt in der Wiener NS-Euthanasieanstalt "Am Spiegelgrund" nicht überlebt haben, sind voll angelaufen. Die Begräbnisfeier findet am 28. April um 14.00 Uhr am Wiener Zentralfriedhof statt.

War das Schicksal der Opfer viele Jahre hindurch kaum ein Thema, so stößt die Zeremonie nun auf sehr großes Interesse: Journalisten und Kamerateams aus aller Welt haben bereits ihr Kommen angekündigt.

Laut Pressekoordinatorin Milli Segal, die im Auftrag des Büros der Wiener Gesundheitsstadträtin Elisabeth Pittermann (S) die internationalen Medien betreut, werden unter anderem Reporter aus Deutschland, den Niederlanden, Großbritannien, den USA sowie Israel erwartet. Namhafte Unternehmen wie New York Times, BBC oder Guardian schicken demnach Vertreter. "Anmeldungen gibt es sogar von Medienvertretern aus Argentinien und Australien", berichtete Segal.

Die Besucher der Begräbnisfeier werden miterleben, wie zwei Urnen im Areal der Gruppe 40 (Opfer des Nationalsozialismus) bestattet werden. In den Gefäßen befinden sich die Überreste von Spiegelgrund-Kindern, die nach ihrer Ermordung für "medizinische Zwecke" präpariert worden waren. Alle anderen Opfer - es gibt insgesamt rund 600 Urnen - werden laut Pittermann-Büro bereits vor der offiziellen Zeremonie bestattet.

Auf den Grabplatten am Zentralfriedhof werden insgesamt fast 800 Namen zu lesen sein. Es sind dies Kinder, die während der NS-Diktatur sterben mussten, weil sie als "unwertes Leben" oder als schwer erziehbar galten. Viele Präparate lagerten Jahrzehnte hindurch im Keller der Anstalt auf der Baumgartner Höhe. Auch im Wiener Ludwig-Boltzmann-Institut fanden sich Überreste von Spiegelgrund-Opfern.

An der Trauerfeier werden neben Angehörigen auch Bundespräsident Thomas Klestil und Bürgermeister Michael Häupl (S) teilnehmen. Weiters werden 50 Schulkinder eine wichtige Rolle spielen: Sie tragen das Bild je eines Opfers und bilden so ein Spalier. Dazu wird ein Endlos-Tonband zu hören sein - mit den Namen und dem Alter der Toten vom Spiegelgrund.

1.4.2002 08:39