Dienstag, 26. März 2002

Ortsnamen in Südafrika sind Relikte der Goldsucher!

  • Hamburg und Berlin? Ja, aber in Südafrika!
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Von Kleve bis zum Broadway in 30 Minuten - in Johannesburg ist das kein Problem. Wie kaum ein anderer Ort hat die südafrikanische Metropole ihre Vergangenheit im Stadtbild verewigt. Die aus allen Teilen der Welt zusammengeströmten Goldsucher, die einst die Stadt aus dem Boden stampften, haben ihr ihren Stempel aufgedrückt.

Der Blick auf die Karte mutet an wie eine Ansammlung europäischer Städte. Fontainebleau und Bordeaux liegen nicht weit von La Rochelle und Verona, der Sachsenwald nicht weit von Windsor, Denver oder Sandhurst. Heidelberg liegt im Südosten der Stadt - ein deutscher Kaufmann hatte sie 1862 nach seinem Heimatort benannt.

Berlin liegt auch in Südafrika
Neben Berlin, Frankfurt und Hamburg, Wartburg oder Underberg ziert selbst das Neue Deutschland in seiner englischen Variante "New Germany" Südafrikas Landkarte - nahe dem Indischen Ozean, bei Durban (nun: eTekwini). Doch acht Jahre nach der Wende am Kap beginnt der Nach-Apartheid-Staat jetzt damit, die von weißen Siedlern, Eroberern oder Apartheid-Politikern geerbten Namen zu afrikanisieren.

Anders als etwa in Osteuropa war der demokratischen Wende am Kap zunächst keine größere Umbenennung von Städten oder Regionen gefolgt - es gab andere Prioritäten. Nur die Änderung der westlich klingenden Vornamen in afrikanische kam bei der schwarzen Bevölkerung in Mode. Jetzt ist das Ende einer Ära in Sicht. Den jüngsten Vorstoß gab es in der bisherigen Nordprovinz: Die Regionalregierung fand die Stadtnamen unzeitgemäß - und löste mit einer groß angelegten Umbenennungsaktion eine rege Debatte aus. Einen Angriff auf ihr Kulturerbe witterten vor allem weiße Südafrikaner und führten das Argument der Kosten an.

Soll man wirklich Millionen für neue Ortsschilder und Briefbögen ausgeben in einem Land, in dem dringend Geld für soziale Bereiche benötigt wird, so ihre Frage. "Das ist doch nichts anderes als ein Akt der Selbstbestätigung", wehrte sich Provinz-Gouverneur Ngoako Ramathlodi. Seine Nord-Provinz heißt künftig nach einem gleichnamigen Grenzfluss Limpopo-Provinz, und die Regionalhauptstadt nicht mehr Pietersburg, sondern Polokwane. Auch die anderen Städte - oft nach weißen Siedlertreck-Führern benannt - sollen neue afrikanische Namen erhalten. So die Orte Potgietersrus (Mokopane), Nylstroom (Modimolle) oder das nach seinen Thermalquellen benannte Warmbaths (Bela-Bela).

Pretoria heißt eigentlich Tshwane
Die Hauptstadt Pretoria wurde schon früher umbenannt: in Tshwane. Richtig durchgesetzt haben sich die neuen Namen im allgemeinen Sprachgebrauch aber noch nicht. Neben der Ablehnung spielt dabei auch eine halbherzige Umsetzung eine Rolle. Ein Beispiel ist das zwischen Johannesburg und Pretoria gelegene ehemalige Verwoerdburg.

Schon seit einiger Zeit heißt es Centurion - auch wenn Autofahrer auf der Autobahn noch immer durch Hinweise auf den alten Namen verwirrt werden; er verwies auf den damaligen Architekten der Apartheid, Ministerpräsident Hendrik Verwoerd. Wie erbittert der Widerstand ist, zeigt auch die Reaktion auf die Umbenennung einer Straße in Johannesburg. Vergangenen September war die nach dem ersten Ministerpräsidenten der Nationalpartei benannte DF Malan-Straße zu Ehren des klerikalen Anti-Apartheid-Kämpfers Beyers Naude umgetauft worden. Was folgte, waren nächtliche Randale: Immer wieder fuhren Unbekannte mit Geländewagen die neuen Straßenschilder platt.

26.3.2002 09:44