Freitag, 29. März 2002

Swiss: Airlnie-Neustart mit Nachwehen

  • Swissair-Gläubiger machen Nachfolgerin Leben schwer
  • Oneworld-Allianz rund um American Airlines angestrebt

Aus den Trümmern der in die Pleite geflogenen Swissair steigt heute die neue Schweizer Fluggesellschaft auf. "Es waren unglaublich schwierige Wochen - gekennzeichnet von riesigem Stress, Emotionen und Ungewissheit", sagt Airline-Chef André Dosé nicht ohne Stolz, "Aber wir haben es geschafft." Hinter den Kulissen wurde bis zuletzt heftig gestritten: Die Swissair-Gläubiger wollen aus der Konkursmasse so viel herausholen wie möglich und sehen auch die Nachfolgerin finanziell in der Pflicht.

Mit der Swissair stürzte im vergangenen Herbst eine der prestigeträchtigsten Fluggesellschaft der Welt ab. Die Branchenkrise durch die Terroranschläge in den USA war dabei nur der letzte Auslöser, ins Trudeln geraten waren die Schweizer schon länger. Schon für 2000 musste das Unternehmen einen Milliardenverlust verkünden. Die 71 Jahre alte Gesellschaft hatte sich durch einen kostspieligen Expansionskurs in Europa maßlos übernommen. Die Swissair trieb deshalb auch den deutschen Ferienflieger LTU in die Krise, an der die Schweizer damals 49,9 Prozent hielten. Das Düsseldorfer Unternehmen schrammte nur knapp am Bankrott vorbei.

Für die Schweizer war der Swissair-Crash mit dem Verlust Tausender Stellen ein Schock. Jahrzehntelang war die Fluglinie ein nationales Symbol. Die Schweiz ohne internationale Airline - das schien undenkbar. So wurde mit Bund und Kantonen im Rücken ein milliardenschwerer Plan für eine Wiedergeburt um die Swissair-Regionaltochter Crossair geschmiedet.

Allerdings wird der Swissair-Konkurs noch lange Schlagzeilen machen: Bei Nachlassverwalter Karl Wüthrich gingen mehr als 10.000 Forderungen von Gläubigern ein. Die Schulden der Gruppe werden auf über 22 Mrd. Schweizer Franken (15,1 Mrd. Euro) geschätzt. Es wird damit gerechnet, dass nur ein Achtel der Forderungen beglichen werden kann.

Für die Gläubiger geht es deshalb darum, zu retten, was zu retten ist. Bis zuletzt machten sie der Nachfolgerin das Leben schwer. Erst das Züricher Handelsgericht schmetterte den Versuch ab, Swiss den Namen verbieten zu lassen. Wegen der Ähnlichkeit mit dem Vorgängernamen wollte die Swissair 600 Millionen Schweizer Franken als Ausgleich. Doch bei Swiss ist bis auf weiteres nichts zu holen: Das Unternehmen erwartet im Startjahr einen Milliardenverlust, erst 2003 sollen schwarze Zahlen geschrieben werden.

Den alten Swissair-Anspruch, Welt- und Oberklasse zu sein, will Dosé auch für die neue Fluglinie nicht aufgeben. Die Airline will 123 Zielorte in 60 Ländern anfliegen. Damit Swiss als "Premium-Airline" durchstarten kann, kauft das Unternehmen zudem 13 neue Airbus-Maschinen A340-300. Sie ersetzen ältere Boeing MD-11.

Ohne Einbindung in eine Allianz helfen im harten Wettbewerb aber auch keine neuen Flugzeuge. Monatelang verhandelte Swiss mit möglichen Partnern. Mit American Airlines als größter Fluggesellschaft der Welt wurde nun eine starke Schulter gefunden, an die sich die Schweizer anlehnen können. Ziel ist der "Vollbeitritt" zur Oneworld-Allianz im Winter, betont Dosé. Ihr gehören neben der US-Gesellschaft auch die irische Air Lingus, British Airways, Iberia, Cathay Pacific, Quantas, Lan Chile und Finnair an. Damit stellt sich Swiss auch als direkter Konkurrent der Lufthansa und ihrer Star Alliance auf - zumindest in Europa dürfte dies das Leben für die Schweizer nicht eben leichter machen.

29.3.2002 11:04