Entwicklung im heimischen Handel "desaströs"
- Beschäftigte werden "Working poor": mehr magere Teilzeitjobs
- 2001 brachte reales Umsatzminus von 2,8 Prozent

Die Situation des österreichischen Handels war 2001 nach einer aktuellen Branchenanalyse des Sparkassenverbandes "desaströs". Die hohe Inflation, die mäßige Entwicklung der Haushaltseinkommen und nicht zuletzt die Budgetsanierung sowie die geringe Investitionstätigkeit der Unternehmen drückten in den vergangenen Jahren auf die Handelsumsätze, sagte der Paul Windisch von der Stabstelle Wirtschaftspolitik im Sparkassenverband am Mittwoch.
Allein 2001 gingen die Umsätze nominell um 2 Prozent, real um 2,8 Prozent zurück. Gleichzeitig stieg die Zahl der Beschäftigten um 1,3 Prozent bzw. 6.500, allerdings wurden nicht selten Vollzeitbeschäftigte durch Teilzeitbeschäftigte ersetzt, die im Schnitt immer kürzer arbeiten.
Von den 498.307 Beschäftigten im Handel (Großhandel, Einzelhandel, Kfz-Handel und Reparatur) waren im Vorjahr rund 40 Prozent Teilzeitbeschäftigte. Vor allem im Einzelhandel würden zunehmend Vollzeitbeschäftigte durch Teilzeitmitarbeiter ersetzt. Das lasse zwar die Beschäftigtenzahlen im Handel - offiziell - ansteigen, die tatsächliche Situation werde aber in den Statistiken nicht dargestellt, kritisiert der Experte. Auffallend sei auch, dass die neuen Handelsmitarbeiter selten aus dem so genannten "eigenen Arbeitskräfterepertoire" (Arbeitslose im Handel) stammten, sondern oft vorher nicht gearbeitet hatten. Die Zahl der gemeldeten Arbeitslosen im Handel stieg 2001 insgesamt um 0,2 Prozent auf 35.195, allein im Einzelhandel sogar um 2,5 Prozent auf 20.319. In den nächsten 4 bis 5 Jahren rechnet Windisch damit, dass der Anteil der Teilzeitjobs im Handel auf 55 bis 60 Prozent steigen könnte.
Rückläufig war in den vergangenen Jahren auch die durchschnittliche Arbeitszeit der Teilzeitmitarbeiter im Handel: Zwischen Mitte 1999 und Mitte 2001 sank sie von 22 auf 20 Stunden pro Woche. Zudem werdend die Beschäftigungsverhältnisse immer kürzer. "Es fehlen zwar entsprechende Daten, aber von im Schnitt 15 bis 16 Stunden im Handel kann man nicht leben, so der Experte. Die Handelsangestellten entwickeln sich zunehmend zu "Working poor", die zwar laut Statistik beschäftigt sind, aber deren Einkommen nicht ausreiche, um davon zu leben.
Nach Branchen gab es real den stärksten Rückgang im Großhandel mit minus 4 Prozent ( -3,4 Prozent nominell), Kfz-Handel (inkl. Reparatur) mit -2,1 Prozent ( -1 Prozent nominell) und dem Einzelhandel mit einem realen Minus von 0,8 Prozent (+ 0,4 Prozent nominell). Auffallend sei, dass die Sparmaßnahmen der Regierung und die internationale Kojunktur im Laufe des Jahres voll durchschlugen, betont Windisch. Während die realen Umsätze im Gesamthandel im 1. Quartal 2001 nur um 0,4 Prozent sanken - im Einzelhandel gab es in den ersten drei Monaten sogar ein reales Plus von 2,2 Prozent -, stieg das Minus bis zum letzten Jahresviertel auf -4,6 Prozent.
2002 keine Besserung erwartet
Für 2002 rechnen die Ökonomen des Sparkassenverbands mit keiner sonderlichen Umsatzbelebung. Der Einzelhandel wird nach Einschätzung von Windisch um real 0,5 Prozent mehr umsetzen, wobei es vor allem bei dauerhaften Konsumgütern einen kleinen Nachholbedarf gebe. Der Großhandel könnte ab 2003 von der Wiederbelebung der Exporte profitieren.

