Mittwoch, 27. März 2002

Im schlimmsten Fall muss FC Tirol in die Westliga

  • Bis Sonntag müssen 1,5 Mio. € aufgetrieben werden
  • Umbenennung des "Tivoli neu" zu Vermarktungszwecken?

In sportlichen Belangen lief es für den österreichischen Fußball-Meister FC Tirol im Frühjahr mit Ausnahme des Ausscheidens im Cup mehr als wunschgemäß. In finanzieller Hinsicht jedoch zieht sich der Strick immer enger um den Hals des hochverschuldeten Bundesliga-Spitzenreiters. Ernüchternde Feststellung von Bundesliga-Vorstand Nachbagauer: In der nächsten Saison könnte den Tirolern im schlimmsten Fall statt der Champions League die Regionalliga West blühen.

Bis Sonntag müssen ausstehende Spielergehälter und viele Gläubiger bezahlt werden, was einen Aufwand von ungefähr 1,5 Millionen Euro bedeutet. Geld, das die Innsbrucker bei einem kolportierten Schuldenstand von rund 13 Millionen Euro nicht haben.

Präsident ist größter Gläubiger
Im Bezirksgericht Innsbruck liegen im Exekutionsregister bereits über 90 den FC Tirol betreffende Anträge vor. Bei Finanzamt und Langes-Swarovski sind die Schulden am höchsten, größter Gläubiger ist aber mit 6,4 Millionen Euro Tirol-Präsident Othmar Bruckmüller selbst, von dem auch diesmal erwartet wird, dass er mittels Griff in die Privatschatulle die Innsbrucker vorläufig vor dem Ärgsten bewahrt.

Wird "Tivoli neu" umbenannt?
Der Vereinsboss wollte zu den pekuniären Turbulenzen nicht Stellung nehmen. "Es werden viele Unwahrheiten in den Medien verbreitet", meinte er kurz und bündig. Einen Hoffnungsschimmer am sich immer mehr verfinsternden Innsbrucker Horizont sieht Bruckmüller aber immerhin durch die Vermarktungszusage des Stadionnamens, womit dem "Tivoli neu" eine Umbenennung nach Hamburger Vorbild - Volkspark-Stadion in "AOL-Arena" - bevorstehen könnte.

Der Tag der Wahrheit rückt näher
Schon Ende April steht das nächste wirtschaftliche Schicksalsspiel der Tiroler auf dem Programm, wenn der Senat 5 (Lizenzausschuss) der Bundesliga die Lizenzen für die Saison 2002/03 erteilt. Sollten die Tiroler die Auflagen nicht erfüllen, bliebe ihnen der Gang zum Protestkomitee und in letzter Instanz das Ständige Neutrale Schiedsgericht. Die endgültige Entscheidung fiele dann Ende Mai.

Worst Case Scenario: Regionalliga West
Im Falle eines negativen Bescheids würde den Tirolern auch beim fast schon sicheren Meistertitel der Gang in die Regionalliga West drohen, wie Bundesliga-Vorsitzender Reinhard Nachbagauer gegenüber der APA bestätigte. Dann gäbe es weder Absteiger aus der Bundesliga noch aus der Ersten Division, der Meister der Regionalliga Ost wäre fix in der Ersten Division, um den zweiten freien Platz spielen die Champions von Regionalliga Mitte und West.

Meistertitel würde den Tirolern bleiben
Tirol würde bei diesem Szenario trotz des Abstiegs als Meister der Saison 2001/02 geführt, in der Champions-League-Qualifikation würden aber der Zweite und Dritte dieser Saison antreten. Die Löw-Truppe wird jedoch die laufende Meisterschaft aller Voraussicht nach zu Ende spielen. "Es sei denn, die Spieler würden austreten, weil sie kein Geld bekommen, und der Verein müsste Konkurs anmelden. Aber davon gehe ich nicht aus", erklärte Bundesliga-Pressesprecher Christian Kircher.

Spieler weiterhin loyal
Tirols Spielervertreter Oliver Prudlo hofft, dass der "worst case" vermieden wird. "Ich glaube nicht, dass es so weit kommen wird. Aber in diesem Jahr hat noch kein Spieler Geld bekommen, da macht man sich natürlich Gedanken." Die Kicker wären kostenlos frei, sollte das (wahrscheinlich bis Dienstag verlängerte) Ultimatum ergebnislos verstreichen. Der Kapitän will aber wie die meisten Spieler das sinkende Schiff nicht verlassen. "Wir werden auf jeden Fall weiter spielen und nicht das aufgeben, worum wir das ganze Jahr gekämpft haben", erklärte Michael Baur.

27.3.2002 16:32