Stronach: "Las-Vegas-Visionen" für Pferderennbahnen
- Cafes und Geschäfte sollen künftig mehr Besucher anlocken
- Kommerz-Kurs stößt bei Kritikern auf Widerstand

Der Austro-Kanadier Frank Stronach will Pferderennen in den USA für Zuschauer attraktiver machen und plant die Umgestaltung der Rennbahnen zu kleinen Vergnügungszentren. Der Pferde- und Wettliebhaber fühle sich im traditionellen Betrieb zeitweise "gelangweilt", schreibt die "New York Times" (Montagausgabe).
Die elf bisher ganz oder teilweise im Eigentum von Stronachs Magna Entertainment stehenden Rennbahnen sollen als "Mini-Las-Vegas" mit Starbucks-Cafes, Mode-Geschäften und "spärlich bekleideten Tänzern und Tänzerinnen" in einer Sport-Bar künftig mehr Besucher anlocken. Kritiker werfen Stronach jedoch vor, bei seinen Plänen den sportlichen Aspekt zu vernachlässigen.
Magna Entertainment hat unter anderem kürzlich den Gulfstream Park in Südflorida übernommen. Die Rennbahn wird ab Mai in einem Multimillionen-Dollar-Projekt nach den Visionen Stronachs für den Rennsport im 21. Jahrhundert renoviert und neu gestaltet. Schon bisher sollten dort auch Freiluftkonzerte mehr Publikum zum Turfsport bringen, trotzdem ist der Wettumsatz auf der Bahn im Jahr 2002 auf 1,75 Mio. Dollar täglich (1,99 Mio. Euro) von 1,98 Mio. Dollar (2,25 Mio. Euro) im Vorjahr gefallen. Dazu habe aber auch der Rückgang des Tourismus in Florida um 15 Prozent und schlechtes Wetter beigetragen, so der Rennbahn-Manager Scott Savin.
Kommerz-Kurs stößt auf Widerstand
Doch sogar im Mutterland des Kapitalismus stößt der neue Kommerz-Kurs auf Widerstand: "Ich will Pferderennen verkaufen, aber keine Freiluftkonzerte", meint der Vorsitzende der New Yorker Rennsportorganisation, Barry Schwartz. Mehr Besucher bei den Rennen würden durch spannendere Wettkämpfe angelockt, aber nicht durch Zusatzangebote im Vergnügungsbereich, ist Schwartz überzeugt. Auf der Aqueduct-Rennbahn in Queens, New York, seien die täglichen Wettumsätze im Jahr 2002 jedenfalls auf 920.000 (1,046 Mio. Euro) gegenüber 820.000 Dollar (932.000 Euro) 2001 gestiegen.
Kritiker und Mitbewerber kritisieren Stronachs Vormachtstellung
Von Kritikern und Mitbewerbern wird Stronach vorgeworfen, er wolle die gesamte Rennsport-Industrie beherrschen. So habe der "Mann mit dem extrem starken Willen" lieber ein eigenes TV-Netz gegründet, als mit dem bestehenden TVG-Netz, das von der Rennsport-Vereinigung unterstützt werde, zusammenzuarbeiten. Doch der Austro-Kanadier lässt sich laut "New York Times" nicht von seinen Plänen abbringen. "Ich habe hunderte Millionen Dollar mit Rennbahnen ausgegeben", verweist er auf seine Erfahrung. "Ich kenne den Sport". Gegenüber seinen Kritikern dreht Stronach den Spieß um: "Beschützt nicht die Mittelmäßigkeit", meint er. Seine eigene Rolle im Rennsport sieht er als jemand, der "im Wasser umrührt, damit es nicht schal wird".
