Mittwoch, 27. März 2002

"Operation Easy": Elf Drogenbanden ausgehoben

  • Neun Tätergruppen verkauften in Wien 300 Kilogramm Suchtgift
  • Gewinn aus Drogengeschäften: 14 Millionen Euro

Große Mengen harter Drogen, riesige Gewinnsummen, Verflechtungen bis in den afrikanischen und asiatischen Raum: Die Polizei hat ein ganzes Netzwerk organisierter Suchtgifthändler zerschlagen. Die Bilanz der unter dem Titel "Operation Easy" geführten Ermittlungen: 135 Festnahmen und 350 Anzeigen in Wien, weitere 64 in Graz und weltweite Nachforschungen nach 1.500 Mittätern.

Auf österreichischem Staatsgebiet wurden elf Banden ausgeforscht, neun davon in Wien. Allein in der Bundeshauptstadt sollen die Organisationen in nicht einmal einem Jahr 300 Kilogramm Suchtgift umgeschlagen und aus ihren Drogengeschäften einen Gewinn von 14 Millionen Euro erzielt haben, gab Herwig Haidinger, Leiter der Gruppe Kriminalpolizei im Innenministerium am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Wien bekannt. Den beiden Grazer Gruppierungen wurde Suchtgifthandel im Wert von etwa 3,5 Millionen Euro nachgewiesen. Seit fast einem Jahr wird ermittelt.

Einen vergleichbaren Schlag gegen den Drogenhandel hat es jüngst erst einmal gegeben: Im Rahmen der "Operation Spring" im Mai 1999 sind in Wien mehr als 100 verdächtige Westafrikaner festgenommen worden. Der große qualitative Unterschied zur "Operation Easy": Damals handelte es sich in erster Linie um Kleindealer. Jetzt haben die Ermittler den Hobel an den obersten Ebenen angesetzt: "Wir sind in die Organisationen hinein, zu den 'Köpfen', gekommen", sagte Haidinger.

Dank Strukturermittlungen ist gelungen, nicht nur - allein in Wien - 30 Kilo Kokain, 20 Kilo Heroin und Drogengelder (rund 147.000 Euro und über 54.000 Dollar) sicherzustellen, sondern die Verflechtungen der Banden zu erkennen: Jede der einzelnen Tätergruppe, die fallweise zusammenarbeiteten, hatte einen Lieferanten im Ausland. Kokain und Heroin wurden aus Curacao, Brasilien, die Türkei, Spanien, Holland, Belgien und die Slowakei nach Österreich gebracht. Als Schmuggler waren vor allem Kuriere aus den Oststaaten eingesetzt.

Die immensen Summen wurden "weiß gewaschen"
In Wien zog ein Bandenkopf die Fäden, der selbst kaum mit der Ware in Berührung kam: Die Drogen wurden an jeweils 20 bis 40 "Subdealer", Zwischenhändler, weiterergegeben. Sie versorgten eine Vielzahl von Straßendealern, "Streetrunner" im Polizeijargon, die an die Konsumenten verkauften.

Die immensen Summen aus den Drogengeschäften wurden "weiß gewaschen". Das geschah beispielsweise durch Kfz-Ankäufe. Die in Österreich gekauften Fahrzeuge wurden, meist noch mit teuren High-Tech-Geräten beladen, nach Nigeria verschifft.

"Der organisierte Suchtgifthandel in Wien wird von westafrikanischen Tätergruppen beherrscht", sagte Walter Schubert, Leiter der kriminalpolizeilichen Abteilung der Wiener Polizeidirektion. Zu Zeiten der "Operation Spring" sei deren Einfluss bei etwa 40 Prozent gelegen. Mittlerweile stellten Westafrikaner schon 60 Prozent der Verdächtigen.

27.3.2002 12:51