Der Amokläufer von Nanterre nahm sich das Leben
- Sprung aus viertem Stock eines Polizeigebäudes
- Blutbad in einem Rathaus bei Paris: 8 Tote, 14 Verletzte
Der Amokschütze von Nanterre hat sich selbst gerichtet. Nach Angaben der Polizei stürzte sich Richard Durn heute gegen 10.15 Uhr aus einem Fenster des Polizeigebäudes in Paris. Den Sturz aus der vierten Etage überlebte der 33-Jährige nicht.
Der Sportschütze hatte in der Nacht auf Mittwoch im Rathaus der Pariser Vorstadt acht Stadtverordnete erschossen und 14 weitere schwer verletzt. Polizeiangaben zufolge sagte Durn im Verhör aus, die Idee zum Töten sei in seinem Kopf "seit mehreren Wochen gereift" gewesen.
Gegen den 33- jährigen Richard Durn wurde zuletzt noch ein Ermittlungsverfahren wegen Mordes und Mordversuches eröffnet. "Er hat nicht in einem Anfall von Wahnsinn gehandelt", so der Staatsanwalt von Nanterre, Yves Bot.
Das Blutbad im Rathaus von Nanterre löste in Frankreich Entsetzen und eine Welle des Mitgefühls für die Angehörigen der Opfer aus. Politiker der großen Parteien äußerten ihre Trauer und Bestürzung. Befürchtet wurde, dass die Tat zum Thema im Präsidentschaftswahlkampf wird. Gewalt in den Städten steht an oberer Stelle der Sorgen der Franzosen. Hunderte Menschen hatten sich am Mittwoch vor dem Rathaus von Nanterre aus Solidarität mit den Opfern versammelt. Im Kugelhagel des Amokläufers starben vier Männer und vier Frauen im Alter zwischen 30 und 58 Jahren - vier Kommunisten, drei Konservative und ein Grüner.
Täter nahm an Ratssitzung teil
Der Täter habe an der Ratssitzung von Anfang an teilgenommen und sich unauffällig verhalten, sagte die Bürgermeisterin. Ohne erkennbares Motiv habe er dann begonnen, "schweigend zu töten". "Als er zum zweiten Mal nachlud, stürzten sich ein paar kräftige Leute auf ihn und er wurde überwältigt", sagte eine Frau, die dem Massaker ebenfalls nur knapp entging. Der arbeitslose Täter feuerte die ersten Schüsse ab, als die Sitzung des Stadtrats nach sechs Stunden um 1.11 Uhr beendet worden war. Unter den getöteten Abgeordneten befanden sich vier Kommunisten, zwei Liberale, ein Grüner und ein Konservativer.
Bei der Durchsuchung der Wohnung des Täters, der mit seiner Mutter in Nanterre zusammenlebt, wurden die Papiere der drei ordnungsgemäß registrierten Tatwaffen gefunden. Der Mann gehört einem privaten Schützenverein an. In der Wohnung fanden sich auch Unterlagen, denen zufolge er vor Jahren an humanitären Einsätzen in Bosnien und im Kosovo teilgenommen hatte.
Die steigende Kriminalität in Frankreich gehört zu den wichtigsten Themen im Wahlkampf um die Präsidentschaft, bei der der Sozialist Jospin gegen den konservativen Amtsinhaber Chirac antritt. Die Bluttat erinnert an den Amoklauf im Stadtrat der Schweizer Gemeinde Zug; dabei kamen am 27. September vergangenen Jahres 14 Menschen ums Leben.
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