Dienstag, 26. März 2002

Mord an behinderter Salzburgerin

  • 46-Jährige lag seit Wochen tot in der Wohnung
  • Polizei tappt derzeit völlig im Dunkeln

Tiefe Betroffenheit herrscht in jenem Wohnhaus in der Stadt Salzburg, wo am Montag Abend die Leiche einer 46 Jahre alten behinderten Frau gefunden worden ist. Die an multipler Sklerose erkrankte Frau dürfte bereits vor zwei bis drei Wochen mit rund 30 Stichen in den Oberkörper getötet worden sein.

Die Polizei vermutet einen Raubmord, weil die ganze Wohnung der Toten durchwühlt worden ist. Hinweise auf den Täter gibt es bisher nicht, wie die Kripo am Nachmittag auf Anfrage der APA betonte.

Die brutale Bluttat dürfte sich vor zwei bis drei Wochen ereignet haben. Mit großer Wahrscheinlichkeit hatte die 46-jährige Andrea Herzog den Täter gekannt, weil sie ihn in die Wohnung eingelassen haben dürfte, so Rudolf Feichtinger, der Leiter der Salzburger Kriminalpolizei, gegenüber der APA. Dennoch dürfte es dann zu einem Kampf zwischen dem Täter und der Frau, die an einen Rollstuhl gefesselt war, gekommen sein, was aus den Verletzungen geschlossen werden kann. Zugestochen hat der Mörder mit einer Schere und noch einer anderen Waffe, und zwar insgesamt rund 30 Mal. Die Schere konnte am Tatort sichergestellt werden, von der anderen Waffe fehlt noch jede Spur. Todesursache waren Verletzungen der inneren Organe, wie die Obduktion heute Mittag ergab.

Entdeckt wurde die Bluttat am Montagabend. Ein Verwandter des Opfers ließ die Tür zu der Wohnung von der Hausmeisterin aufsperren, nachdem die Frau nach mehrmaligem Läuten nicht reagiert hatte. Die beiden fanden eine große Unordnung vor und riefen die Funkstreife. Unter Kleidungsstücken, Akten und Möbeln fanden die Beamten die teilweise entkleidete Leiche der Frau. Der genaue Todeszeitpunkt konnte auch bei der Obduktion nicht mehr festgestellt werden, weil durch die laufend stark wechselnden Temperaturen der vergangenen Wochen der Verwesungszustand keine Rückschlüsse mehr darauf zulässt. Jedenfalls war die 46-Jährige, als sie aufgefunden wurde, bereits teilweise mumifiziert.

Die Ermittlungen verlaufen laut Feichtinger sehr schwierig, weil der Tatzeitpunkt schon so lange vergangen ist. "Ich kann mich auch nicht mehr erinnern, wer vor drei Wochen bei meinen Nachbarn zu Besuch war", nannte der Kriminalist ein Beispiel. Jedenfalls konnte die Polizei mehrere Spuren sicherstellen, die vielleicht eine DNA-Analyse ermöglichen. Bis zum Vorliegen eines Ergebnisses könne es aber mehrere Wochen dauern. Im näheren Umfeld der Toten gab es bisher keine Erfolg versprechenden Hinweise auf einen möglichen Täter.

Die 46-Jährige wohnte in einem für Behinderte baulich adaptierten Gebäude in der Haunspergstraße in der Nähe des Salzburger Hauptbahnhofes. Trotz ihrer schweren Erkrankung führte sie laut Polizei ein recht selbstständiges Leben, so dass ihr Tod so lange unbemerkt bleiben konnte. "Sie hatte zwar eine Betreuerin, die kam aber oft mehrere Wochen nicht", so Feichtinger. Im Haus selbst wohnen aber keine Betreuer. Sollte die Auswertung der Spuren keine konkreten Anhaltspunkte ergeben, rechnet Feichtinger jedenfalls mit "schwierigen Ermittlungen".

26.3.2002 08:02