Zerschlagung Holzmanns soll verhindert werden
- Baukonzern braucht frisches Geld von Banken
- Insolvenzverwalter Ottmar Hermann verhandelt

Der zahlungsunfähige deutsche Holzmann-Konzern soll nach dem Willen seines vorläufigen Insolvenzverwalters, Ottmar Hermann, nicht zerschlagen werden. Allerdings brauche das Unternehmen in der kommenden Woche dringend frisches Geld, sonst drohe eine ungeordnete Zerschlagung, sagte Hermann am Samstag in Frankfurt am Main.
Hermann verhandelt daher mit den Banken über einen so genannten Massekredit, mit dem die Fortführung des laufenden Geschäfts ermöglicht werden soll.
Nach ersten Gesprächen mit den Banken habe er Hoffnung, dass man weiterkommen werde, sagte Hermann. Mit einer Eröffnung des Insolvenzverfahrens sei in etwa zwei bis drei Monaten zu rechnen. Das Verfahren selbst könne mehrere Jahre dauern. Ziel sei es, eine Zerschlagung des Unternehmens zu verhindern.
Hermann betonte, entscheidend sei im Moment, dass weitergearbeitet werde. Mit dem Massekredit sollen zum Beispiel Subunternehmen für künftige Arbeiten bezahlt werden und die rund 500 Baustellen von Philipp Holzmann weitergeführt werden. Alte Verbindlichkeiten werden laut Insolvenzrecht allerdings nicht beglichen. Die Subunternehmen seien von der Holzmann-Insolvenz schwer betroffen, sagte Hermann.
Er bestätigte, dass es Interessenten für Teile des Holzmann-Konzerns gebe. Konkrete Angebote lägen aber noch nicht vor. Der Baukonzern Bilfinger Berger hatte in der Vergangenheit, Gespräche mit dem Hauptgläubiger Holzmanns, der Deutschen Bank, bestätigt. Das Unternehmen soll vor allem an dem lukrativen US-Geschäfts Holzmanns interessiert sein. Die Kölner Strabag hatte Interesse an der Deutschen Asphalt signalisiert.
Mit dem früheren Vorstandschef und heutigem Aufsichtsratschef Konrad Hinrichs habe er noch keine Kontakt gehabt, sagte Hermann weiter.
Commerzbank-Vorstandschef Klaus-Peter Müller verteidigte unterdessen die Ablehnung des Sanierungskonzepts. Er sagte in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin "Focus", Holzmann hätte auch mit den zuletzt diskutierten Rettungsmaßnahmen "garantiert keine Zukunft gehabt". Er glaube, dass eine geordnete Liquidation für den Konzern und die Branche besser seien, sagte Müller. Er müsse auch verantworten, ob es ein Unternehmen wert sei, mit dem Geld der Commerzbank-Aktionäre gerettet zu werden. Die Bundesregierung habe im Fall Holzmann dieses Mal keinerlei Einfluss genommen, sagte Müller dem Magazin zufolge. Zwar habe er mit dem Kanzleramt über das Thema gesprochen, er habe aber nicht den Eindruck, dass Druck ausgeübt worden oder gar ein Engagement wie 1999 geplant gewesen sei.
Der Holzmann-Konzern hatte am Donnerstag Insolvenz angemeldet, nachdem die Commerzbank, die HypoVereinsbank und die Dresdner Bank das von der Deutschen Bank vorgeschlagene Sanierungskonzept abgelehnt hatten. Holzmann hatte im vergangenen Jahr einen Verlust von 237 Millionen Euro erwirtschaftete, dem stand Ende Dezember 2001 nur noch ein Eigenkapital von 174 Millionen Euro in der AG gegenüber.

