Mittwoch, 20. März 2002

Holzmann-Konzern stellt Insolvenzantrag

  • Wichtige Gläubigerbanken verweigern die Rettung
  • Rund 25.000 Arbeitsplätze stehen zur Disposition

Nach tagelangen erfolglosen Rettungsversuchen hat der Holzmann-Konzern am Donnerstagnachmittag Insolvenz wegen Zahlungsunfähigkeit beantragt. Damit dürfte die Zerschlagung des Baukonzerns bevorstehen, der weltweit 25.000 Menschen beschäftigt.

Allein in Deutschland stehen 11.000 bis 12.000 Arbeitsplätze zur Disposition. Bis zur letzten Minute hatten der Vorstand und die IG BAU um eine Rettung des Unternehmens gekämpft. Doch lehnten wichtige Gläubigerbanken das vorgeschlagene Sanierungskonzept ab.

Die Commerzbank, die ebenso wie die Dresdner Bank und die HypoVereinsbank die Vorschläge abgelehnt hatte, hatte sich zwar unverändert bereit gefunden, wirtschaftlich sinnvolle Lösungen zu begleiten. Ein tragfähiges Fortführungskonzept sei jedoch nicht einmal in Grundzügen vorgelegt worden, hieß es. Auch die HypoVereinsbank sah in dem Konzept der an der Rettung des Konzerns interessierten Deutschen Bank kein zukunftsfähiges Sanierungsmodell. Die Dresdner Bank bedauerte, dass kein Plan vorgelegt worden sei, aus dem man eine positive Prognose für die Zukunft hätte ableiten können. Damit waren die Bemühungen um eine Sanierung gescheitert. Die Deutsche Bank drückte heute Nachmittag ihr "außerordentliches Bedauern" aus und betonte, eine Strukturkonservierung des nicht mehr wettbewerbsfähigen Konzerns sei bei den Sanierungsbemühungen nicht verfolgt worden.

Nach Angaben des Baukonzerns, der im vergangenen Jahr einen Verlust von 237 Millionen Euro erwirtschaftete und Ende Dezember 2001 nur noch ein Eigenkapital von 174 Millionen Euro in der AG auswies, hatte die Deutsche Bank für die Umsetzung des Rettungskonzepts zusätzlich 50 Millionen Euro Barmittel und eine Kreditlinie von zehn Millionen Euro zugesagt. Ferner habe die Deutsche Bank Unterstützung bei dem Rückkauf eines Teils einer Wandelanleihe zugesichert. Dies hätte für das Unternehmen einen Eigenkapitaleffekt von etwa 120 Millionen Euro bedeutet. Die Umsetzung des Rettungskonzepts hätte Schäden aus Forderungsverzichten und Risiken aus der Übernahme des Immobilienbestandes von etwa 250 Millionen Euro umfasst. Die Kosten der Insolvenz werden dagegen auf 1,3 Milliarden Euro geschätzt.

Der Baukonzern war 1999 schon einmal vor dem Aus gestanden. Eine Pleite war in letzter Sekunde durch eine Intervention von Bundeskanzler Gerhard Schröder verhindert worden. Dieser hatte dem Unternehmen ein Darlehen der bundeseigenen Kreditanstalt für Wiederaufbau sowie eine Bundesbürgschaft zugesagt. Die CDU/CSU-Opposition warf dem Kanzler am Donnerstag im Bundestag erneut vor, mit dieser Rettungsaktion zahllosen kleinen und mittleren Bauunternehmen geschadet zu haben.

Am Nachmittag hatte die IG Bauen, Agrar, Umwelt die sich sträubenden Banken noch einmal aufgefordert, dem Sanierungskonzept zuzustimmen. Der stellvertretende Gewerkschaftvorsitzende Ernst-Ludwig Laux wies zur Begründung darauf hin, dass Holzmann über einen Auftragsbestand im Wert von sieben bis acht Milliarden Euro verfüge. Etwa 400 Holzmann-Beschäftigte marschierten protestierend vom Frankfurter Hauptbahnhof zum Bankenviertel.

20.3.2002 13:39