Dienstag, 19. März 2002

US-Notenbank lässt Leitzinsen unverändert

  • Ankündigung von Zinserhöhungen im Laufe des Jahres
  • "Wirtschaft wächst mit bedeutendem Tempo"

Mit einer positiven Beurteilung der US-Wirtschaftslage hat die amerikanische Notenbank Federal Reserve (Fed) am Dienstag die Konjunkturwende in den USA offiziell festgestellt. Der Offenmarktausschuss (FOMC) ließ die Leitzinsen wie erwartet unverändert bei 1,75 Prozent, stimmte die Finanzmärkte zugleich aber auf Zinserhöhungen in diesem Jahr ein.

Erstmals seit 15 Monaten betonte die Fed nicht mehr die Risiken einer weiteren Schwächung der US-Wirtschaft. "Die Informationen, die seit unserem letzten Treffen bekannt geworden sind, zeigen, dass die Wirtschaft ... mit bedeutendem Tempo wächst", teilte der Ausschuss mit. Die Stärke des Aufschwungs sei dagegen noch unklar.

Die US-Notenbank sieht nach dieser Einschätzung auch keine Inflationsgefahren. Beobachter rechnen dennoch damit, dass die Leitzinsen ab Mitte des Jahres wieder steigen könnten, konkret mit der FOMC-Sitzung am 13. August. Die US-Leitzinsen liegen nach den elf Senkungen des vergangenen Jahres auf einem 40-Jahres-Tief. Heute ließ die Fed auch den eher symbolischen Diskontsatz unverändert bei 1,25 Prozent. Bei der ersten Sitzung des neuen Jahres im Jänner hatte der Ausschuss die Zinsen ebenfalls unverändert gelassen. Damals sah die Notenbank zwar Anzeichen eines Aufschwungs, betonte jedoch noch die Risiken einer erneuten Schwächung. Nunmehr erfolgte der erwartete Übergang zu einer "neutralen" Riskoeinschätzung.

Die Börse legte nach den frühen Gewinnen weiter zu. Der Dow Jones stieg um gut 55 Punkte auf 10.632 Punkte, der NASDAQ legte gut rund ein halbes Prozent auf 1.855 Punkte zu. Der Dollar, der in Erwartung der positiven Konjunktureinschätzung in der Früh ebenfalls gestiegen war, hielt sich bei 0,8822 Cents pro Euro.

Fed-Präsident Alan Greenspan hatte die Rezession bereits vor zwei Wochen für praktisch beendet erklärt und festgestellt, dass der Aufschwung nach der inzwischen fast einjährigen Flaute in vollem Gang sei. Die US-Rezession hatte nach Einschätzung der amerikanischen Wirtschaftsweisen im März vergangenen Jahres begonnen. Allerdings verzeichnete die US-Wirtschaft nur ein Quartal mit schrumpfendem Bruttoinlandsprodukt. Nach einem Minus von 1,1 Prozent im 3. Quartal wuchs die Wirtschaft 4. Quartal wieder überraschend mit 1,4 Prozent hochgerechneter Jahresrate.

19.3.2002 20:42