Ermittlungen gegen Simon wegen Steuerhinterziehung
- Deutscher Fiskus hat schon 450 Strafverfahren eingeleitet
- Millionen nach Liechtenstein transferiert?

Hugo Simon war auch am Donnerstag für die Presse nicht erreichbar, um zu den Vorwürfen der Steuerhinterziehung in Deutschland Stellung zu nehmen. Eine Turnierpause hatte der österreichische Springreiter schon vor dem Turnier in Dortmund am vergangenen Wochenende angekündigt. Seit Dienstag ist bekannt, dass die Staatsanwaltschaft Bochum ein umfangreiches Ermittlungsverfahren gegen den in der Pfalz lebenden Simon eingeleitet hat.
Simon soll nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" 15 Millionen Mark (7,67 Mio. Euro) am Fiskus vorbei nach Liechtenstein geschleust, in Vaduz bei dem Treuhänder DDr. Herbert Batliner geparkt und eine Stiftung zum eigenen Vorteil gegründet haben.
Anonyme Information?
Die Steuerbehörden sollen durch eine anonyme Information mit Datenbeständen aus der Kanzlei Batliners im Februar 2000 aufmerksam geworden sein und bereits 450 Strafverfahren eingeleitet haben. Simon soll ein Teilgeständnis abgelegt haben und zahlte 500.000 Euro an den Fiskus. Der dreifache Weltcupsieger soll Pferde aus seiner Zucht an Batliner verkauft haben. Batliner zahlte jeweils nur ein paar zehntausend Mark. Der Rest kam nach Feststellungen der Bochumer Steuerfahnder in Simons schwarze Kasse, schreibt die SZ.
Pferdeschmuggel
Drei deutsche Staatsanwaltschaften und diverse Zollämter ermitteln seit Jahren im Milieu von Reitern, Züchtern und Händlern. Es gibt den Verdacht, dass im Reitsport über die Schweiz, Liechtenstein oder Russland ein riesiger Schmuggel mit wertvollen Pferden abgewickelt wird. Denn manche Springreiter machen nicht nur bei hoch dotierten Veranstaltungen, sondern auch im Pferdehandel ein gutes Geschäft.
"Die größten Schmuggelfälle in der Schweiz"
Derzeit ermittelt die Schwerpunktstaatsanwaltschaft Mannheim gegen acht deutsche Pferdehändler. Unter ihnen sollen sich große Namen des Reitsports befinden. Im vergangenen Jahr wurden in der Schweiz prominente Reiter wie Willi Melliger und Markus Fuchs im Zuge eines Rechtshilfeersuchens aus Mannheim befragt. Mittlerweile gehen die Schweizer Behörden davon aus, dass rund 180 Pferde illegal in die Schweiz eingeführt wurden. Serge Gumy von der Abteilung Strafsachen in der Oberzolldirektion Bern spricht von einem "der größten Schmuggelfälle in der Schweiz".
Zuchtpferde als Schlachtvieh deklariert
Beim "Schummeln" mit Pferden gibt es viele Varianten. Üblich ist es, beim Verkauf von der Schweiz nach Deutschland den Verkaufspreis niedrig anzugeben, um die zu zahlende Mehrwertsteuer (27 Prozent des angegeben Preises) zu sparen. Nach Feststellungen des Kölner Zollkriminalamts floriert auch der illegale Handel mit Pferden aus Russland. Wertvolle Zuchtpferde werden bei der Zollerklärung als Schlachtvieh deklariert. Der Zollwert liegt dann knapp bei 500 Euro, der wirkliche Marktwert erreicht oft 50.000 Euro. Das Geschäft läuft an den Behörden vorbei.
