Donnerstag, 21. März 2002

Neun Tote bei Bombenanschlag in Lima

  • Anschlag passierte kurz vor Besuch von US-Präsident Bush
  • Etwa 30 Menschen wurden zum Teil schwer verletzt

Bei einem Autobomben-Anschlag in der peruanischen Hauptstadt Lima sind mindestens neun Menschen getötet worden. Etwa 30 weitere Passanten wurden zum Teil schwer verletzt. Zunächst bekannte sich niemand zu der Tat. Der Anschlag geschah kurz vor dem Besuch von US-Präsident George W. Bush in Lima. Er wird für Samstag erwartet.

Präsident Alejandro Toledo, der die Tat scharf verurteilte, brach eine Mexiko-Reise ab und flog in die Heimat zurück.

Die beiden Autos explodierten nach Angaben von Augenzeugen um 22.50 Uhr (04.50 Uhr) kurz hintereinander im Wohnbezirk Surco. Im Schalterraum seien mindestens drei Menschen ums Leben gekommen, berichteten einheimische Medien. Die Wucht der Detonation habe auch zahlreiche Autos und Geschäfte beschädigt. Die Polizei riegelte das Gebiet großräumig ab. Bush wurde am Samstag im Rahmen einer Lateinamerika-Reise zu einem Kurzbesuch in Lima erwartet.

Vize-Präsident Raul Diez Canseco äußerte sich erschüttert über den Anschlag. Zugleich betonte er jedoch, die Regierung habe die Lage unter Kontrolle. "Wir haben den Terrorismus ausgerottet und werden nicht zulassen, dass er zurückkehrt", betonte der Politiker. Rospigliosi sagte, es sei offensichtlich, dass der Anschlag mit dem Besuch von Bush im Zusammenhang stehe. Ziel der Tat sei es gewesen, das Ansehen des Landes zu verhindern, erklärten mehrere Regierungsvertreter. Toledo kündigte an, er werde "mit harter Hand im Rahmen des Gesetzes" gegen die Attentäter vorgehen.

"Leuchtender Pfad" wieder auf Terror-Vormarsch
Ende der 80-er Jahre hatte die maoistische Rebellengruppe "Sendero Luminoso" (Leuchtender Pfad) den Andenstaat an den Rand des Zusammenbruchs gebracht. Die harte Politik des vor eineinhalb Jahren gestürzten Präsidenten Alberto Fujimori drängte die Rebellen jedoch für Jahre in die Bedeutungslosigkeit. Guerillachef Abimael Guzman sitzt eine lebenslange Haftstrafe ab.

Seit einigen Monaten macht der Leuchtende Pfad jedoch wieder durch Überfälle auf Polizeistationen von sich Reden. Im vergangen Jahr töteten sie insgesamt 31 Menschen. Die Rebellen sollen inzwischen auch eng mit der Drogenmafia zusammenarbeiten und Schutzzölle kassieren. Nicht ausgeschlossen wurde auch, dass die linke Terrororganisation Tupac Amaru mit dem Anschlag zu tun haben könnte. Die inzwischen ebenfalls faktisch als aufgelöst geltende Gruppe war vor allem für Anschläge in den Städten berüchtigt.

Zwei Polizisten unter den Todesopfern
Unter den Todesopfern befanden sich nach Rospigliosis Angaben auch zwei Polizisten. Ein Feuerwehrkommandant sprach von 30 Verletzten, die in ein nahe gelegenes Krankenhaus gebracht worden seien. Die Wucht der Detonation beschädigte ein Hotel und eine Bankfiliale sowie mindestens zehn Fahrzeuge. An dem festungsähnlichen Gebäude der US-Botschaft, das hinter einer sechs Meter hohen Mauer steht, entstand Medienberichten zufolge kein erkennbarer Schaden.

21.3.2002 07:23