Montag, 18. März 2002

Berührendes Philharmoniker-Konzert in New York

  • Für New Yorker kostenlos: Viele mussten stehen

Mit einem Gedenkkonzert für die Opfer von Terrorismus beendeten die Wiener Philharmoniker am Sonntag ihre 14. New York Tournee in der berühmten St. Patrick's Cathedral. Die Teilnahme war für das New Yorker Publikum kostenlos, und manche mussten daher in der großen, gotischen Kathedrale in Midtown Manhattan dem Ereignis im Stehen beiwohnen.

Das Programm begann mit dem langsamen zweiten Satz aus Bruckners 7. Symphonie für Blechbläser und Pauke vom Orgelbalkon aus, was das Publikum, das den Blick gespannt auf die Streicher und den Rest des Orchesters gerichtet hatte, zunächst überraschte. Schon nach Ende diesen ersten Stückes war der Begeisterung der Zuschauer kein Ende zu setzen, und die "Meister der klassischen Musik", wie ein amerikanischer Zuhörer sie nannte, wurden mit einer Standing Ovation gerühmt.

Einem kurzen Willkommensgruß von Monsignor Eugene V. Clark, dem Pfarrer der Kathedrale, und einer nicht so gelungenen "österreichischen" Übersetzung dieser Rede folgten die bewegenden "Sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze" von Haydn in der Orchesterfassung. Danach trat Clemens Hellsberg, Vorstand der Wiener Philharmoniker, mit ein paar Worten vor das Orchester und bat das Publikum, beim "Ave Verum Corpus" von Mozart, das zusammen mit dem Amor Artis Kammerchor und dem Chor der Kathedrale aufgeführt wurde, die zu Beginn ausgeteilten Kerzen anzuzünden.

Dank an Veranstalter und Publikum
In seiner Ansprache dankte Hellsberg nur kurz den Veranstaltern und wandte sich dann gleich direkt an das Publikum, um den Leuten für ihre Anwesenheit zu danken. Die Wiener Philharmoniker wollten an diesem Abend ein bisschen von dem zurückgeben, was sie in den vergangenen 13 Jahren Gutes in New York erfahren hätten.

Er freue sich sehr über die Anwesenheit eines jeden in der Kathedrale, denn diese würde zeigen, wie sehr die Leute bereit wären, Einsatz zu zeigen gegen Gewalt - und zwar nicht durch Macht, sondern durch Glauben. In seiner Rede sprach Hellsberg von allen Opfern von Gewalt und Terrorismus und reflektierte weniger die am Programmzettel angekündigte "Erinnerung der Wiener Philharmoniker an die Opfer des 11. Septembers". Dann forderte er das Publikum auf, die Kerzen anzuzünden, um "mit dem Kerzenlicht, das Wärme und Hoffnung verbreitet" gemeinsam Licht in der Dunkelheit scheinen zu lassen.

Nicht Konzert sondern Gedenkfeier
Schon während Haydns "Sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze" bemerkte man, dass die Besucher dieser Feierlichkeit "kein Konzertpublikum" waren, wie auch Hellsberg nach der Feier feststellte und meinte, in der Carnegie Hall hätten die Leute sicher nicht zwischen den Sätzen geklatscht. Aber er betonte auch, dies sei eben kein Konzert gewesen, sondern eine Gedenkfeier.

Seiner Bitte, nach Mozarts "Ave Verum Corpus" am Schluss nicht zu klatschen, sondern eine Schweigeminute einzuhalten, folgte das Publikum sofort. An diese Art des gemeinsamen Gedenkens sind die New Yorker dieser Tagen ja leider gewöhnt, und es tut offenbar immer noch gut zu spüren, dass man als New Yorker eben nicht allein ist in dem Schmerz, der dem 11. September gefolgt ist. Dass dieser verbindenden Schweigeminute ein etwas peinlicher Moment folgte, als Dirigent Johannes Somary, der den letzten Teil des Konzertes führte, die Bühne verließ und sowohl Chor als auch Orchester auf Grund eines Regiefehlers einige Minuten unschlüssig stehen blieben, hat den bleibenden Eindruck und den "berührenden Moment", wie Hellsberg die Stimmung genannt hatte, nicht zunichte machen können.

18.3.2002 09:51