Sonntag, 17. März 2002

Der Microsoft-Prozess geht in entscheidende Runde

  • Vorraussichtliche Dauer: Acht Wochen

Der Kartellprozess gegen das weltgrößte Software-Unternehmen Microsoft ist am Montag in eine neue und höchstwahrscheinlich entscheidende Runde gegangen. Vor einem Distriktgericht in Washington begann eine Anhörung über die Strafvorschläge von neun Bundesstaaten, die den im November vergangenen Jahres zwischen dem US-Justizministerium und dem Konzern ausgehandelten außergerichtlichen Vergleich abgelehnt haben.

Die vorläufig letzte Runde im Kartellprozess wird wahrscheinlich acht Wochen dauern. Microsoft versucht, das Verfahren auf den ursprünglichen Kern zu beschränken, nämlich die Verknüpfung des Betriebssystems Windows mit dem Internet Explorer. Die Anwälte der neun Bundesstaaten dagegen wollen auch die Technologien und Produkte zur Sprache bringen, die erst während des seit vier Jahren andauernden Kartellverfahrens entwickelt wurden. Dabei geht es beispielsweise um Taschencomputer ("Pocket PC"), neuartige Telefone ("Smart Phones") oder Programme zum Abspielen von Audio- und Videoinhalten ("Windows Media Player").

Ursprünglich sollte die Anhörung schon am 11. März beginnen, wurde auf Bitten von Microsoft aber verschoben, nachdem die Bundesstaaten kurzfristig Änderungen an ihren Vorschlägen vorgenommen hatten. Die Gruppe der Neun verlangt härtere Sanktionen gegen Microsoft als die, die in dem außergerichtlichen Vergleich ausgehandelt worden sind. Unter anderem solle Microsoft eine abgespeckte Version von Windows XP ohne den Internet Explorer bereitstellen. Der Softwaregigant hatte diese Forderung als überzogen abgelehnt und erklärt, im Falle eines Erfolges der klagenden Staaten müsse man Windows XP vom Markt nehmen.

Ein Vorstoß von Microsoft, das Verfahren vorzeitig einzustellen, war zuvor von 34 Bundesstaaten abgelehnt worden. Darunter befanden sich auch Bundesstaaten, die sich zusammen mit dem deutschen Justizministerium für einen Vergleich mit Microsoft ausgesprochen hatten.

17.3.2002 11:15