Donnerstag, 14. März 2002

Japan sieht Lichtblick

  • Handelsüberschuss stieg über 400 Prozent

Das rezessionsgeplagte Japan sieht erste Anzeichen für eine Besserung der wirtschaftlichen Lage. Erstmals seit Juni 2000 hat die Regierung ihre Einschätzung der ökonomischen Verfassung des Landes am Donnerstag in ihrem jüngsten Monatsbericht für März nach oben korrigiert. Die Wirtschaft stecke zwar weiterhin in einer schwierigen Situation, doch zeige sich in einzelnen Bereichen wie dem Export und der Industrieproduktion ein Erreichen der Talsohle. Im Jänner erlebte Japan einen Rekordanstieg seines Handelsüberschusses.

Die Börse in Tokio legte am Donnerstag wieder deutlich zu nach Berichten über den Einstieg des US-Einzelhandelsriesen Wal-Mart Stores bei der unter Schulden und dem allgemeinen Preisverfall leidenden japanischen Supermarktkette Seiyu. Insgesamt beschränken sich die bisherigen Anzeichen für eine Besserung der wirtschaftlichen Lage in der zweitgrößten Wirtschaftsnation aber vornehmlich auf die Produktionsseite. In anderen Bereichen sieht es weiterhin düster aus.

So stieg die Zahl der Pleiten im Februar um 18,2 Prozent auf 1.712 und damit auf den höchsten Stand für diesen Monat seit Ende des Zweiten Weltkrieges. Angesichts der jüngsten Daten steuert Japan für das noch bis Ende dieses Monats laufende Geschäftsjahr 2001 auf den Nachkriegsrekord von 20.363 Pleitefällen im Jahre 1984 zu. Das sind schlechte Nachrichten auch für Japans Banken, deren Problemkredite schneller zunehmen, als dass sie abgeschrieben werden können.

In ihrem kurzfristigen Ausblick verweist die Regierung auf die Sorge, dass die ernste Lage auf dem Arbeitsmarkt und bei den Einkommen sich weiterhin negativ auf den Privatkonsum und die Firmeninvestitionen auswirken wird, von denen eine Erholung der Gesamtwirtschaft maßgeblich abhängt. Japan hofft jedoch angesichts einer erwarteten Verbesserung der Konjunktur in den USA und Asiens bei gleichzeitiger Bereinigung der eigenen Lagerbestände, dass der japanische Exportmotor die Gesamtwirtschaft einmal mehr stützen wird.

Wie das Finanzministerium bekannt gab, schnellte Japans Handelsüberschuss im Vergleich zum Vorjahresmonat um 424,4 Prozent auf 336,8 Mrd. Yen (3 Mrd. Euro). Das ist der erste Anstieg seit 19 Monaten und zugleich der schärfste seit Erstellung solcher Statistiken im Jahre 1985. Während die japanischen Ausfuhren nur noch um 2,9 Prozent auf rund 3,4 Bill. Yen zurückgingen, sanken die Einfuhren um 11,0 Prozent auf rund 3,0 Bill. Yen.

14.3.2002 08:57