Mittwoch, 13. März 2002

Mallorca: Weniger Gedränge auf der Balearen-Insel

  • Hoteliers hoffen noch auf Spätbucher
  • Ursache ist die neue "Touristen-Steuer"

Wenn die Prognosen der Branchenexperten stimmen, können Mallorca-Urlauber sich in diesem Jahr auf relativ geruhsame Ferien einstellen. Sie werden am Strand nicht um jede Handbreit Boden für ihr Badetuch kämpfen müssen: Mallorca erwartet in diesem Jahr weniger Touristen als im Vorjahr.

An der Strandbar wird es kein Gedränge geben, und die Kellner im Restaurant werden weniger gestresst sein als sonst.

Auf dem deutschen Reisemarkt seien die Buchungen für die spanische Ferieninsel um 40 Prozent hinter dem Vorjahresniveau zurückgeblieben, sagte der Präsident des Internationalen Verbandes der Reiseveranstalter (IFTO), Martin Brackenbury. Bei den Briten - sie machen entgegen landläufiger Annahmen die größte Zahl der Mallorca-Touristen aus - betrage das Minus 28 Prozent.

Hotels bleiben über Ostern geschlossen
Wegen der schlechten Buchungslage bleiben viele Hotels in den Osterferien geschlossen und öffnen erst im Mai. In der Urlauberhochburg S'Arenal mit der Strandbar "Ballermann" wird nur etwa jede zweite Herberge über Ostern ihre Pforten öffnen. "Das Ostergeschäft wird so schlecht wie lange nicht mehr", schreibt die Wochenzeitung "Mallorca Magazin".

Branche setzt für den Sommer auf Spätbucher
Trotz der Tourismuskrise wird es im Sommer keine menschenleeren Strände geben. Für die Hochsaison setzen die Reiseveranstalter auf die Spätbucher. Nicht nur für Mallorca, sondern auch für die anderen Ferienziele in Spanien hat sich das Buchungsverhalten der Urlauber völlig geändert. Auf Grund der unsicheren Wirtschaftslage buchen viele Touristen ihre Ferien nicht mehr schon in den Wintermonaten. Die Branche ist zwischen Pessimismus und Ratlosigkeit hin und her gerissen. "Das späte Buchen ist ein völlig neues Phänomen. Es macht das Planen fast unmöglich", sagt der Sprecher einer Hotelkette.

Die Spätbucher werden mit ziemlicher Sicherheit nicht verhindern, dass 2002 für den Mallorca-Tourismus ein schlechtes Jahr wird. Britische Reiseunternehmen drosselten ihr Mallorca-Angebot bereits um bis zu 20 Prozent. Schon im Vorjahr war die Zahl der Urlauber erstmals seit zehn Jahren zurückgegangen. Vor allem viele Deutsche (minus 7,8 Prozent) kehrten ihrer Lieblingsinsel den Rücken.

Die Reiseveranstalter verlangen von den Hoteliers Preisnachlässe. Das Fachblatt "La Economia Balear" berichtet, manche Tour-Unternehmen hätten die Hotels händeringend darum gebeten, Verträge über die Reservierung von Zimmern rückgängig zu machen. "Mallorca wird zu einem Urlaubsziel von Spätbuchern und Turnschuh-Touristen", befürchtet Ignasi Esteve vom Hotelierverband. Dies wäre genau das Gegenteil dessen, was die Balearen-Regierung erreichen wollte, die mehr wohlhabende Touristen anlocken will.

Wieder Druck auf die Balearenregierung
Infolge der ziemlich trüben Aussichten wächst der Druck auf die rot-grüne Regierung in Palma, die Erhebung der Touristensteuer auszusetzen. Ab 1. Mai sollen die Urlauber pro Tag eine "ecotasa" (Ökosteuer) von 0,50 bis 2,00 Euro zahlen. Die Reisebranche befürchtet, dass die Steuer noch mehr Urlauber von einer Mallorca-Reise abhalten könnte. Die Hoteliers, die die Abgabe eintreiben sollen, kündigten an, die Zahlungsforderungen der Finanzbehörden mit einer "Flut von Klagen" vor Gericht zu beantworten.

Für Regierungschef Francesc Antich ist die Touristensteuer dagegen ein Vorzeigeprojekt. Ohne die Abgabe stünde der Sozialist bei den Wahlen im kommenden Jahr mit leeren Händen da. In der Presse wird spekuliert, Antich wäre bereit, die Steuer bis November auszusetzen, wenn die Hoteliers im Gegenzug auf ihre Klagen verzichteten. Bisher hat er sich zu einem solchen Kompromiss aber nicht durchgerungen.

13.3.2002 08:45