Kartnig fordert Peitschenknaller / Osim will bleiben
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Mit 90 erfolgreichen Minuten hätte sich der SK Sturm Graz am Mittwoch aller Sorgen entledigt. Doch statt Fußball-Champions League heißt es bei den Schwarz-Weißen nach dem 3:3 im Qualifikations-Rückspiel gegen Maccabi Haifa UEFA-Cup, statt Millionenregen steht eine Trainerdiskussion an. Ob Ivica Osim, der vor der entscheidenden Partie für den Fall des Scheiterns seinen Rücktritt angedroht hatte, bei Sturm weiter das sportliche Sagen hat, wird sich erst in den nächsten Tagen weisen. Sowohl Vereins-Präsident Hannes Kartnig als auch Osim wollten sich nach der Enttäuschung nicht gleich festlegen.
Mit beherztem Kampf, aber limitierten Mitteln versuchten die Sturm-Kicker die 0:2-Niederlage aus dem Hinspiel noch wett zu machen. Doch nicht zuletzt zwei Fehler von Torhüter Heinz Weber (Kartnig: "Der hat uns die Partie gekostet") hat Sturm um die Früchte gebracht. Spieler und Fans stehen dennoch hinter dem Trainer. "Warum soll es Konsequenzen geben? Man hat gesehen, dass uns Osim noch motivieren kann", sagte etwa Gerald Strafner. "Egal ob CL, Titel o. Cup, ohne dich hätten wir das nie geschafft. Danke Osim", hieß es auf einem Transparent im Fan-Sektor, aus dem auch Osim-Sprechchöre zu hören waren.
Doch die Entscheidung liegt nicht in ihren Händen. Nach über acht Jahren bei Sturm und sich häufenden Meinungsverschiedenheiten mit Kartnig stellt sich Osim die Sinn-Frage. "Von der Vergangenheit kann man nicht leben. Es hat viel gekostet, auch gesundheitlich. Der Trainerjob ist für mich schon sehr stressig. Ich möchte mich gerne mit dem Präsidenten zusammen setzen. Wenn man sieht, es bringt nichts, ist es besser zu gehen. Ich möchte weiter machen, aber unter anderen Konditionen", erklärte Osim.
Kartnig fordert Peitsche!
Auch Kartnig schloss eine weitere Zusammenarbeit nicht aus, er wollte noch "zwei Tage darüber schlafen". "Ich glaube nicht, dass Osim geht. Von mir aus kann er bleiben. Ich bin 100-prozentig überzeugt, Osim wird das Spiel gegen Pasching (Anm.: Samstag) noch machen. Wir werden uns zusammensetzen und ein vernünftiges Gespräch führen", sagte der Sturm-Boss, der am Donnerstag zur Auslosung von Champions League und UEFA-Cup nach Monaco flog.
Doch nach der ersten zurückhaltenden Reaktion kritisierte der Klubchef seinen Trainer hart. "Ich habe es satt, in 14 Tagen höre ich dasselbe wieder. Er ist ein netter Mensch, ich mag ihn, aber mit der Zeit nützt sich alles ab. Ich will ihn nicht hergeben, er soll etwas tun. Die Frage ist, ob er sich ändern kann. Wir brauchen frisches Blut, einen mit Peitsche. Es gibt viele große Trainer, das schwör ich, die kosten weniger", sagte Kartnig.
Kritik an Transferpolitik
Scharf kritisierte er auch die Transferpolitik: "Es muss was passieren. Schuld sind die schlechten Einkäufe, die kommen mir vor wie aus dem Quelle-Katalog. Es gibt Spieler, die passen nicht zu uns, denen fehlt das Feuer. Vielleicht mache ich wieder die Einkäufe, ich hab ein Gespür. Den Amoah wollte ich nicht, ich wurde überredet. Es gehört eine neue Dynamik hinein, neue Ideen. Es ist alles verbrüdert und bei mir bleibt es hängen, ich muss zahlen."
Finanziell hätte der Einzug in die Champions League das Budgetloch von Sturm, das laut Präsident 1,45 Mio. Euro beträgt, mehr als gestopft. Doch Kartnig beruhigt. "40 Mille (Anm.: Schilling) haben oder nicht, das ist ein Unterschied. Aber keine Angst, wir gehen deshalb nicht in Konkurs, Sturm wird deshalb nicht untergehen. Wir müssen schauen, dass wir im UEFA-Cup zwei, drei Runden überstehen", erklärte Kartnig, der angekündigt hatte, im Falle des Scheiterns auch ein, zwei Spieler zu verkaufen.
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