Donnerstag, 14. März 2002

Barrichellos hartes Leben als Schumis Teamkollege

  • "Als würde ich mit einem Sumo-Ringer kämpfen"
  • Karrierende des Brasilianers kann schnell kommen

Das Leben als Ferrari-Teamkollege von Formel-1-Weltmeister Michael Schumacher ist kein leichtes. Rubens Barrichello hat es im Vorfeld des Großen Preises von Malaysia am Sonntag mit einem Kampf gegen einen Sumo-Ringer verglichen.

"Wenn ich in den Ring steige und diesen großen Typen sehe, muss ich daran denken, dass ich besser als er bin. Ansonsten würde ich den Kampf nicht aufnehmen", erklärte der Brasilianer, der in die dritte Saison als Schumacher-Stallgefährte gegangen ist und mit der Pole-Position beim Saison-Auftakt in Australien seine Stärke unter Beweis gestellt hatte.

Entspannen und das Fahren genießen
"Jeder spricht über Michael, jeder spricht über die Art und Weise wie er fährt und wie er sich benimmt. Und ich bin auch da, ich bin sein Teamkollege", meinte der 29-Jährige, der zu Beginn der Zusammenarbeit mit dem vierfachen Champion ein wenig traumatisiert gewirkt hatte. Mittlerweile hat der Südamerikaner aber den Entschluss gefasst, nicht mehr so viel über sein Los nachzudenken, sich mehr zu entspannen und das Fahren zu genießen. "Psychologisch verbessere ich mich immer mehr. Ich denke an mich selbst und nicht an das, was andere Leute tun."

"Meine große Zeit kommt noch"
Als wichtigen Schritt zu seiner größeren Gelassenheit sieht Barrichello die Geburt seines Sohnes Eduardo Ende September 2001. "Ich bin stabiler und nicht so emotional. Ich ärgere mich weniger über die kleinen Dinge." Der Familienvater träumt nach wie vor davon, dass seine große Zeit noch aussteht. "Ich glaube, dass die guten Zeiten noch kommen. Aber nur wenn ich entschlossen dazu bin. Nach drei Jahren als Nummer zwei hinter Michael könnte man in ein Motivationsloch fallen, mit meiner Pole-Position in Melbourne habe ich aber gezeigt, dass ich weiterhin hart arbeite."

Barrichello untergeordnet
In der vergangenen Saison war Barrichello auf Grund der Rekordjagd Schumachers (mehr Grand-Prix-Siege und mehr WM-Punkte im Laufe seiner Karriere als jeder andere Fahrer) untergeordnet, in dieser Saison geht diese weiter, da der Deutsche mit seinem fünften WM-Titel mit dem legendären Juan-Manuel Fangio gleichziehen kann. Barrichello nimmt den Kampf jedoch neuerlich auf: "Ich bin in diesem Jahr besser vorbereitet als je zuvor in die Saison gegangen."

Positives Verhältnis zu Todt
Auch sein Verhältnis zu Ferrari-Boss Jean Todt hat sich positiv entwickelt, Barrichello fühlt merklich mehr Wärme gegenüber seiner Person als zuvor. "Jean liebt es mit Michael zusammen zu sein, es ist eine Art Vater-Sohn-Beziehung. Aber er mag auch mich und respektiert meinen Job", berichtete Barrichello nach einem gemeinsamen Abendessen mit dem Franzosen am Dienstag in Bangkok.

Erfolg nicht erzwingen
Erfolg um jeden Preis will der Bewunderer des 1994 tödlich verunglückten Ayrton Senna aber nicht erzwingen, auch ein plötzliches Karrierende ist nicht ausgeschlossen. "Wenn ich eines Tages aufwache und das Gefühl habe, dass ich nicht mehr gewinnen kann, höre ich auf und mache etwas anderes. Vielleicht Pferderennen in Brasilien."

14.3.2002 13:28
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