Donnerstag, 14. März 2002

Abfertigung Neu: Laut Studie zu hohe Kosten

  • Wirtschaftsprüfer: Pläne von Grasser kommen teuer
  • Sozialversicherungen sollten Einhebung übernehmen

Eine Studie von Wirtschaftsprüfern warnt vor zu hohen Verwaltungskosten bei der Umsetzung der Abfertigung Neu. Die Pläne von Finanzminister Karl-Heinz Grasser - eine Verwaltung von Einhebung und Anlage der Beiträge durch die künftigen Abfertigungskassen - wäre jedenfalls zu teuer.

Knackpunkt der für 1. Juli geplanten Neuregelung der Abfertigung werden die Verwaltungskosten sein: Wenn für Inkasso und Datensammlung eine zentrale Einrichtung geschaffen und dabei auf bewährte Einrichtungen wie die Krankenkassen zurückgegriffen wird, kann die Nettoperformance der Mitarbeitervorsorge-Veranlagungen um mindestens einen Prozentpunkt höher sein, erklärten Vertreter des Beraters PricewaterhouseCoopers am Donnerstag. Für Übertragungen von Ansprüchen vom alten ins neue System sollten Mindestanforderungen gesetzlich normiert werden, um Rechtsstreitigkeiten zu vermeiden. Den Beitragssatz von 1,53 Prozent der Lohnsumme werde die EU nicht als Abgabe ansehen, die die Abgabenquote erhöhe, so die PWC-Vertreter.

Verwaltungskosten mindern die Performance
"Wenn es nicht gelingt, die administrativen Kosten in einem vernünftigen Rahmen zu halten, dann wird das neue System nicht funktionieren - dann wird die Performance uninteressant", betonte PWC-Österreich-Geschäftsführer Friedrich Rödler. Jeder Prozentpunkt Verwaltungskosten zusätzlich drücke die Performance rechnerisch auf lange Sicht um 0,3 Prozentpunkte, bei kürzeren Laufzeiten noch viel stärker. Entscheidung man sich bei Datensammlung und Inkasso bei den neuen Mitarbeitervorsorge-Kassen (MV-K) für viele dezentrale statt einer zentralen Lösung, könnten die Verwaltungskosten statt 3 Prozent oder darunter durchaus auf 5 bis 6 Prozent klettern - und damit die Performance um 1 Prozentpunkt drücken, rechnen die PWC-Experten vor: "In den Verwaltungskosten wird also der Teufel begraben sein."

"Eingespielten Apparat" der Kassen nutzen
Daher sollte möglichst der "sehr gut eingespielte Apparat" der Krankenkassen genutzt werden. Deren bisher genannter Kostensatz von 0,7 Prozent könne dabei sicher unterboten werden, da er sich auf die Gegenwart beziehe und künftig ungleich höhere Volumina abzuwickeln seien, die die Grenzkosten deutlich senken würden. In den Lohnbüros der Unternehmen sei überhaupt nur eine Buchungszeile mehr notwendig.

Vereinfachungen für Arbeitgeber positiv
Positiv am neuen System seien die zahlreichen Vereinfachungen für Arbeitgeber, auch die Liquidititätsproblematik im Abfertigungsfall vor allem für Klein- und Mittelbetriebe gehöre der Vergangenheit an. Zudem werde die Mobilität der Arbeitnehmer entscheidend gefördert, da eine Selbstkündigung nicht mehr durch den Dienstgeber "ponalisiert" werden könne. Mit der steuerlichen Begünstigung von Übertragungen sei ein deutlicher Anreiz zum Umstieg auf das neue System gesetzt worden.

Nach 40 Berufsjahren acht Monatsbezüge
Bei einer Nettorendite von 3,5 Prozent würden laut PWC nach dem neuen System nach 40 Berufsjahren etwas mehr als 8 Monatsbezüge an Abfertigung herausschauen, bei 5,5 Prozent sogar 12 Monatsbezüge. Allerdings seien schon 5 Prozent Nettorendite im Jahr "eine sehr optimistische Annahme, die erst einmal erreicht werden muss". Ihre Studie zum aktuellen Stand der "Abfertigung neu" hat PWC anhand zahlreicher Gespräche mit betroffenen Interessensvertretungen und Institutionen wie AK, ÖGB, Banken und Versicherungen erarbeitet.

14.3.2002 14:12