Geht Verrückter mit verseuchter Nadel um?
- 17-Jähriges Opfer wird untersucht
- Spekulationen um Konkurrenzkampf zwischen Discos

Erst waren es nur böse Gerüchte, jetzt gibt es einen konkreten Fall: Jugendliche in Oberösterreich sollen angeblich in Discotheken Opfer von "Nadel-Attentätern" werden. Die Gefahr: Es könnte sich bei den "Tatwaffen" um HIV-verseuchte Spritzen handeln. Ein 17-jähriges Mädchen aus Linz muss jetzt in Aids-Angst leben.
Seit Wochen nehmen die Gerüchte zu, dass in Discos vor allem im Großraum Linz die "Stecher" umgehen sollen. Ähnliche Meldungen gab es in der Vergangenheit bereits aus Deutschland. Bis gestern, Montag, sei aber in Oberösterreich kein konkreter Fall bekannt geworden, erklärte die Sicherheitsdirektion. Das hat sich jetzt geändert.
Das "Neue Volksblatt" berichtete in seiner Dienstag-Ausgabe, dass sich im Linzer Krankenhaus der Elisabethinen ein 17-jähriges Mädchen meldete, das am Wochenende in einer Disco von einem Unbekannten mit einer Nadel oder einer Spritze gestochen worden war. Die Ärzte sehen die Sache als "absolut glaubwürdig" an, hieß es in dem Volksblatt-Bericht. Dem Mädchen wurde eine Blutprobe abgenommen, HIV-Entwarnung könne aber nach Auskunft der Mediziner wegen der langen Inkubationszeit erst in einigen Monaten gegeben werden.
Fahndung nach Attentäter nach Anzeige
Die Sicherheitsbehörden werden, sobald in dem Fall die konkrete Anzeige seitens des Mädchens selbst oder des Krankenhauses vorliegt, die Fahndung nach dem "Nadel-Attentäter" aufnehmen. Es gehe um den Tatbestand zumindest der Körperverletzung, aber möglicherweise auch - wenn es sich tatsächlich um eine infizierte Nadel handelte - der vorsätzlichen Gemeingefährdung.
Unklar ist nach wie vor, wieso gerade in letzter Zeit immer öfter Gerüchte über angebliche "Nadel-Attentate" auftauchten und es jetzt zu dem konkreten Fall kam. Letzterer könnte auf das Konto eines "Scherzbolds" oder "Trittbrettfahrers" gehen, der auf Grund der Gerüchte auf die Idee kam, es einmal - vermutlich mit einer harmlosen Nähnadel oder ähnlichem - zu "versuchen", so die Sicherheitsbehörden.
Ähnliche Vorfälle in Deutschland: Disco-Konkurrenzkampf?
Es gibt aber auch noch eine zweite Erklärungsmöglichkeit: In Deutschland habe sich bei ähnlichen Fällen gezeigt, dass es sich bei den Zwischenfällen mit den Nadeln um den Ausfluss eines "Konkurrenzkampfes" unter Disco-Betreibern gehandelt hat. "Wenn sich herumspricht, dass in einer Disco jemand gestochen wurde, dann bleiben die Besucher aus, so kann man einem Konkurrenten massiven wirtschaftlichen Schaden zufügen", so Alois Lißl von der oberösterreichischen Sicherheitsdirektion. Allein die Gerüchte genügten schon, dass manche Discotheken im Großraum Linz am vergangenen Wochenende deutlich weniger Besucher hatten.
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