Sonntag, 10. März 2002

Vorerst "Waffenstillstand" im Post-Konflikt

  • Bis Mitte April soll "ehrlich" verhandelt werden
  • Die Streikdrohung bleibt aufrecht

Im "Krieg der Postler" ist vorderhand Waffenstillstand angesagt. Heute beginnen Verhandlungen zwischen Personalvertretung und Management. Wenn es bis Mitte April zu keiner einvernehmlichen Lösung kommt, tritt der am 22. Februar gefasste Streikdrohungsbeschluss des Zentralausschusses wieder in den Vordergrund. Ihren Unmut zeigten die Post-Betriebsräte auf einer Protestversammlung am Wiener Messegelände, zu der über 500 Delegierte aus ganz Österreich angereist waren.

Postgewerkschaftschef Gerhard Fritz schätzt die Chancen auf eine Einigung mit dem Vorstand 50 zu 50 ein, wobei es ihm nicht zuletzt um ein "ehrliches" Verhandlungsklima geht.

Dass in ausländischen Postgesellschaften in Vorbereitung auf die Postliberalisierung eine Spartenorganisation bereits existiere, wie der Vorstand argumentiert, will die Postgewerkschaft nicht gelten lassen. Man könne die österreichische Post in ihrer Dimension nicht mit Deutschland oder Holland vergleichen. In der Schweiz funktioniere die Post mit 4.300 Postämtern und viel mehr Bediensteten als in Österreich. Statt der Spartentrennung plädiert die Personalvertretung für eine prozessorientierte Organisation, wofür sich auch ein Gutachten ausspreche.

Die Urangst der Personalvertretung vor einer Spartenorganisation ist, dass dadurch die Post in zwei bis drei Jahren als Gesamtunternehmen nicht mehr existiert und einzelne Sparten von Ausländern dominiert werden. Der Postvorstand hat zum Ziel, bis 2004 rund 6.000 Arbeitsplätze abbauen, die Gewerkschaft befürchtet im worst-case-Szenario das Doppelte. Tatsächlich wurde der Personalstand von 1999 bis heute von 33.000 auf 30.100 reduziert.

Die Spartenorganisation sieht fünf Geschäftsbereiche vor: Brief, Infomail (Werbesendungen, künftig auch mit dem privaten Verteilunternehmen feibra als Partner), Kurier-Express-Paketdienst, Zeitungszustellung (Medienservice) sowie Filialnetz (Postämter). Statt dieser Organisation spricht sich die Personalvertretung für ein prozessorientiertes Modell aus, wofür es auch ein positives Gutachten gebe.

Unabhängig von der geplanten Spartenorganisation drücken die Personalvertreter schon länger auch andere Probleme, wie fehlende Arbeitsplatz-Vergaberichtlinien, Einsparungen bei der Arbeitskleidung sowie die allgemeine Personalknappheit.

"Stirbt die Post, so stirbt das Land"
Ihren Unmut zeigten die Post-Betriebsräte heute auf einer Protestversammlung am Wiener Messegelände, zu der über 500 Delegierte aus ganz Österreich angereist waren. Zuvor gab es eine Demonstration, die jedoch mit rund 50 Teilnehmern nicht besonders kämpferisch besetzt war.

Vor den Messehallen protestierten Postler mit Plakaten mit der Aufschrift "Stirbt die Post, so stirbt das Land, 638 Postämter werden zugesperrt" oder "Weg mit diesem Management, sonst ist post.at demnächst am Ende". Die friedlichen Kundgeber, die großteils in Anzug und Krawatte protestierten, warnten das Management vor möglichen Streiks. Zuletzt demonstrierte die Post im Jahre 1965, damals wurde die Arbeit für eine halbe Stunde niedergelegt.

10.3.2002 16:25