Werksschließung Traiskirchen: 1.000 bangen um Jobs

Auch aus Österreich wurden Demonstranten zur Konzern-Zentrale gefolgen: Mehrere hundert Beschäftigte des deutschen Reifenherstellers Continental aus Österreich und Schweden haben am Montag in Hannover gegen die geplante Schließung der Reifenwerke im niederösterreichischen Traiskirchen (Semperit Reifen AG) und im schwedischen Gislaved protestiert.
An der Aktion nimmt auch Fritz Verzetnitsch, Präsident des Europäischen (EGB) und des Österreichischen Gewerkschaftsbundes (ÖGB), teil.
Wegen schlechten Zahlen: Traiskirchen soll zusperren
Der Reifenkonzern und Autozulieferer hatte Ende 2001 aufgrund der schwachen Konjunktur wegen Überkapazitäten beschlossen, mehrere Werke zu stillzulegen. Unter anderem in Traiskirchen in Niederösterreich und in Gislaved in Schweden. Auf Flugblättern und Transparenten kritisierten die Beschäftigten am Montag die Entscheidungen als kurzsichtig. "Conti hinterlässt eine Blutspur", hieß es auf einem Spruchband. Continental hatte 2001 beschlossen, weltweit fünf Werke mit 4.300 Beschäftigten aufzugeben. In Traiskirchen sind an die 1.000, in Gislaved 770 Stellen betroffen. An der Demonstration, die auch vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) und der Internationalen Chemiearbeitergewerkschaft unterstützt wird, beteiligten sich auch rund 100 Beschäftigte aus dem hannoverschen Reifenwerk.
Traiskirchen: Conti verkündete Aus Anfang Dezember 2001
Die Reifenproduktion soll demnach im Juni geschlossen werden, knapp 1.000 Beschäftigte würden ihren Job verlieren. Weitere gut 300 Semperit-Mitarbeiter außerhalb der Reifenproduktion sollen noch ein oder zwei Jahre weiter beschäftigt werden. Wenige Tage nach dem Schließungsbeschluss für Traiskirchen hatte Conti auch das Aus für sein schwedisches Werk in Gislaved bekannt gegeben.
EGB/ÖGB-Präsident Verzetnitsch sieht durch die Causa Conti/Semperit "die EU-Kommission herausgefordert, die Förderungspolitik im Sinne eines fairen Wettbewerbs zu überprüfen". Es müsse endlich Klarheit geschaffen werden, ob sich der Mutterkonzern von Semperit durch ständige Produktionsverlagerungen und das gegenseitige Ausspielen der einzelnen Standorte ungerechtfertigte Wettbewerbsvorteile geschafft habe, erklärte der Spitzengewerkschafter gestern, Sonntag.
Der Fall Conti zeige auch, so Verzetnitsch weiter, "dass wir bei der Integration Europas schnellstens zu einer Angleichung der Sozial- und Arbeitsrechte kommen müssen. Weiters müssen wir alle Anstrengungen unternehmen, das Einkommensgefälle zwischen den derzeitigen und den künftigen EU-Staaten rasch anzugleichen."
Für das Semperit-Werk in Traiskirchen fordert der ÖGB-Präsident, dass der Conti-Konzern als auch der zuständige österreichische Arbeits- und Wirtschaftsminister Martin Bartenstein (V) und andere öffentliche Stellen "Alles unternehmen, um den Standort als Produktionssätte und somit die Arbeitsplätze zu erhalten".

