Freitag, 8. März 2002

FIFA-Zerwürfnis wird öffentlich

  • Präsident Blatter widerspricht Generalsekretär Zen-Ruffinen

Das Zerwürfnis zwischen dem Präsidenten des Internationalen Fußball-Verbandes (FIFA), Joseph Blatter, und dessen Generalsekretär Michel Zen-Ruffinen wird nun in der Öffentlichkeit ausgetragen. Blatter widersprach am Freitag in einer "Richtigstellung" den am Vortag gemachten Äußerungen seines Schweizer Landsmanns, wonach er dem Generalsekretär im Zusammenhang mit den Untersuchungen zur finanziellen Situation des Weltverbandes einen Maulkorb verpasst habe.

Er wolle die Arbeit des Untersuchungsausschusses "in keiner Art und Weise behindern". Es müsste jedoch "das Prinzip der Vertraulichkeit in finanziellen Angelegenheiten eingehalten werden", heißt es in einer von der FIFA verbreiteten Blatter-Erklärung.

Zen-Ruffinen hatte in einem Interview mit der Genfer Zeitung "Le Temps" (Donnerstagausgabe) den Verdacht geäußert, dass Blatter den Ausschuss am 11. April seinetwegen vorläufig suspendiert habe. "Ich glaube, dieses Manöver zielte auch darauf ab, mich als Zeugen zu verhindern, weil ich einige delikate Dinge hätte sagen können", wird Zen-Ruffinen zitiert. "Seit einigen Monaten" gäbe es Probleme in der Behandlung der FIFA-Finanzen. Er sei immer wieder übergangen worden, obwohl er nach den FIFA-Statuten für diesen Bereich zuständig sei. Falls die Untersuchungen Belastendes für die FIFA und ihren Präsidenten erbringen würden, will der Generalsekretär "nicht von einem möglichen Skandal hinweggespült werden, mit dem ich nichts zu tun gehabt hätte".

Blatter weist nun in seiner Erklärung auf ein Schreiben vom 23. März an den schottischen Vorsitzenden des Untersuchungsausschusses David Will hin, in dem ausdrücklich auch Zen-Ruffinen zu den zu befragenden Personen gehören soll. Als Verantwortungsbereich wies Blatter dem Generalsekretär unter Hinweis auf die FIFA-Statuten "die Verwaltung und getreue Buchführung der FIFA" zu.

Der FIFA-Präsident hatte die von Will angeführte und von der Exekutive gegen Blatters Willen eingesetzte Untersuchungskommission wegen des "Bruchs der Vertraulichkeit" vorläufig suspendiert. Auf Druck der Mehrheit des 24-köpfigen Exekutivkomitees findet am 3. Mai in Zürich eine außerordentliche Sitzung des Führungsgremiums statt. Das ursprüngliche Mandat der Untersuchungskommission reicht bis zum 30. April. Die Frage ist, ob das Exekutivkomitee gegen seinen Präsidenten und für eine Wiederaufnahme der Arbeit der Kommission stimmen wird. Blatter kämpft gegenwärtig um seine Wiederwahl durch den FIFA-Kongress am 28. Mai in Seoul.

8.3.2002 09:55