Dienstag, 5. März 2002

La Coruna gewinnt Cup bei Real mit 2:1

Das hatte sich der Real-Tross und sein gewaltiger Anhang ganz anders vorgestellt. Ausgerechnet am Jubiläumstag der Vereinsgründung musste sich das "weiße Ballett" im spanischen Fußball-Cupfinale Deportivo La Coruna mit 1:2 (0:2) geschlagen geben. Und das auch noch im heimischen Santiago Bernabeu-Stadion.

Der triumphierende Depor-Trainer Javier Irureta sagte nach dem 100. Cupfinale zum 100. Geburtstag des Rekord-Meisters, seine Mannschaft hätte ein Match "wert eines solchen großen Anlasses" gespielt.

Die 50.000 Aficionados von Real hätten das lieber über ihre Lieblinge gehört. Denn wenn auch die Gastgeber nach dem Anschlusstor von Raul nach Vorarbeit von Morientes in der 59. Minute noch gehörig Druck machten, der verdiente Sieger dieser Finalpartie hieß Deportivo. Damit holten sich die Galizier als Nachfolger von Saragossa ihre zweite Cup-Trophäe nach 1995. Ihre 25.000 mitgereisten Fans machten sich während des Spiels lautstärker bemerkbar als die heimischen Zuschauer, was Irureta zu der Feststellung veranlasste: "Einfach fantastisch. Die unterstützten uns mehr als bei Heimspielen."

Deportivo legte in ihrer tollen ersten Hälfte den Grundstein zum Triumph. Sergio gelang schon in der 6. Minute nach Pass von Diego Tristan das 1:0 und der Depor-Torjäger war dann in der 38. nach Vorarbeit von Valeron, der später die Stange traf, zum 2:0 erfolgreich. Den Kopfball an die Latte von Zidane in der Anfangsphase beantworteten die Gäste mit etlichen gefährlichen Kontern. Real-Trainer Vicente Del Bosque zeigte sich als fairer Verlierer, als er Depor "zum brillanten Sieg" gratulierte. Dank einer starken Abwehr und des effektiven Fünf Mann-Mittelfeldes setzte sich die Mannschaft aus La Coruna gegen die "Königlichen" die Krone des Königs-Cups auf.

"Depor bläst die Kerzen von Reals Jubiläumszeremonie aus", war am Donnerstag in "ABC" zu lesen. Der Traum vom "Triple" (Meisterschaft, Pokal, Europacup/Champions League) ist damit ausgeträumt. "Ich muss mich bei unseren Anhängern für die Niederlage entschuldigen", meinte Klubchef Florentino Perez. Noch kann Real den Meistertitel und die Champions League gewinnen. Aber Deportivo hat noch Chancen auf alle drei Trophäen, das hat in Spanien noch nie ein Klub geschafft.

Spaniens Ministerpräsident Jose Maria Aznar schien den Ausgang des Finales geahnt zu haben. Der Real-Fan verzichtete im letzten Augenblick auf einen Besuch im Stadion. An seiner Stelle nahm Vizepremier Mariano Rajoy, ein waschechter Galizier, auf der Ehrentribüne neben König Juan Carlos, Königin Sofia und Kronprinz Felipe Platz. Offenbar ein gutes Omen für Depor.

5.3.2002 11:51