Samstag, 9. März 2002

Stimmauszählung in Simbabwe hat begonnen

  • Stimmen des Militärs möglicherweise entscheidend
  • MDC-Generalsekretär wegen Verrats angeklagt

Nach der von Manipulationsvorwürfen überschatteten Präsidentenwahl in Simbabwe hat am Dienstag die Auszählung der Stimmen begonnen. Informationsminister Jonathan Moyo erwartet das Ergebnis des Duells zwischen Amtsinhaber Robert Mugabe (78) und seinem Herausforderer Morgan Tsvangirai (50) für Mittwochvormittag.

Unterdessen wurde Generalsekretär von Tsvangirais Bewegung für einen demokratischen Wandel (MDC), Welshman Ncube, wegen Verrats angeklagt. Der am Montag Festgenommene soll einen Mord an Mugabe geplant haben, wurde am Dienstag aber gegen Kaution freigelassen.

In der Hauptstadt Harare wurden noch vor 6.00 Uhr (MEZ) die ersten Wahlurnen zu den Zählstellen gebracht. Jeder der 120 Wahlkreise des Landes hat eine eigene Zählstelle. Wahlleiter Tobaiwa Mudede schätzte die Wahlbeteiligung auf drei Millionen. Unklar blieb aber, wie viele der 13 Millionen Simbabwesen wahlberechtigt waren, da sich viele nachträglich hatten registrieren lassen. Ursprünglich lag die Zahl der Wahlberechtigten bei 5,6 Millionen. Entscheidend könnten bei einem knappen Wahlausgang nach Angaben südafrikanischer Wahlbeobachter die Stimmen der 70.000 Angehörigen von Militär und Sicherheitskräften sein. Sie dürften "für so manchen eine Überraschung bereit halten", deutete ein Beobachter an.

Entgegen den Protesten der Opposition wurden am Montagabend die Wahllokale geschlossen, obwohl tausende Simbabwesen trotz stunden- oder gar tagelangen Wartens ihre Stimme noch nicht abgeben konnten. Mit Schlagstöcken und Tränengas vertrieb die Polizei die Menschen, die noch immer vor den Wahllokalen Schlange standen. Zuvor hatte es das oberste Zivilgericht des Landes abgelehnt, die Abstimmung nach drei Wahltagen noch einmal um einen Tag zu verlängern.

Die Opposition warf der Regierung von Präsident Robert Mugabe vor, Tausenden das Wahlrecht zu verweigern. Die langsame Abfertigung in den Wahllokalen am Wochenende hatte sie als Verzögerungstaktik der Regierung bezeichnet. Informationsminister Jonathan Moyo wies am Dienstag alle Vorwürfe zurück. Die Regierung hätte gar nicht die Macht zu solchen Manipulationen, erklärte er im staatlichen Fernsehen.

Massiver Wahlbetrug beklagt
Die Nichtregierungsorganisation Internationale Krisengruppe (ICG) prangerte massiven Wahlbetrug und Einschüchterung von Wählern durch Regierungsanhänger an. Vor allem in ländlichen Wahlbezirken seien Milizen von Mugabes Partei, der Zanu-PF, aufgezogen, hieß es in einem Bericht. In fast der Hälfte der dortigen Wahlbüros seien keine Vertreter der Opposition als Wahlhelfer gewesen. In vielen Büros auf dem Lande habe sich die Zahl der registrierten Pro-Mugabe-Wähler sprunghaft verdoppelt, obwohl die Wahlbeteiligung eigentlich niedrig gewesen sei.

9.3.2002 22:07