Freitag, 8. März 2002

US-Armee sperrt El Kaida Versorgungswege

US-Truppen haben ihre Luftoffensive im Osten Afghanistans am Freitag fortgesetzt. Ziele waren abermals die Bergregionen der Provinz Paktia, wo Hunderte Taliban- und El-Kaida-Kämpfer in Höhlenverstecken vermutet werden. Wegen des zähen Widerstands im Osten Afghanistans wurden zugleich 1.000 afghanische Soldaten in die Region verlegt. Auch mögliche Verstecke von Osama Bin Laden werden durchstöbert. Laut US-Verteidigungsminister Rumsfeld könnten die Kämpfe am Wochenende bereits zu Ende sein.

Der Widerstand der moslemischen Extremisten gegen die Offensive der USA wurde nach US-Angaben zuletzt schwächer. Mit einer Kapitulation sei jedoch nicht zu rechnen. Die verbliebenen El-Kaida-Kämpfer gehörten zum harten Kern der Organisation. Die von den USA angeführten Truppen hätten sich auf höher gelegene Gebiete der Bergregion bei Gardes vorgekämpft und die Nachschubwege der Rebellen abgeschnitten, sagte Oberst Frank Wiercinski.

Allerdings seien die El-Kaida-Leute bereit, bis zum Tod zu kämpfen. Man sehe sich entschlossenen Kämpfern gegenüber, "vom Typ wie diejenigen, die die Ereignisse vom 11. September auslösten", sagte Oberstleutnant Joe Smith. Angehörige der radikal-islamischen Taliban sind demnach nicht mehr an der Auseinandersetzung beteiligt.

Nicht nur Erfolge: US-Soldaten zurückgedrängt
Mehrere US-Einheiten mussten sich US-Angaben zufolge aus dem südlichen Teil des Shahi-Kot-Tals zurückziehen, nachdem sie unter heftigen Beschuss geraten seien. Es habe Verwundete gegeben. Viele El-Kaida-Kämpfer seien getötet worden. Von der Front zurückkehrende US-Soldaten berichteten, nach Ende der Bombardements der US-Luftwaffe tauchten die Kämpfer aus ihren Höhlen auf und machten höhnische Zeichen in Richtung der Flugzeuge.

USA verstärken kämpfende Truppen in Afghanistan
Die USA haben ihre Truppen in der Region wegen des harten Widerstand des Gegners auf 1100 Mann verstärkt. Auch Soldaten aus anderen alliierten Staaten waren an den Kämpfen in der Provinz Paktia beteiligt. In der Nacht auf Freitag flogen die USA erneut Luftangriffe. Stürme und Schnee in den bis zu 4000 Meter hohen Bergen behinderten aber den Einsatz von Bodentruppen. Nach Angaben aus den USA sollen im Rahmen der so genannten "Operation Anaconda" bisher zwischen 450 und 650 Taliban- und El-Kaida-Kämpfer getötet worden sein.

Allein am Mittwoch und Donnerstag hatten US-Flugzeuge binnen 24 Stunden 185 Bomben über den Bergen Ostafghanistans abgeworfen. Wegen schlechten Wetters mussten die Luftangriffe später jedoch eingestellt werden, zumal auch die Nachschubflüge für die amerikanischen Soldaten nicht mehr starten konnten.

Rumsfeld hofft auf Ende schon an diesem Wochenende
US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld gab sich vor Journalisten in Washington zuversichtlich, dass die Offensive vielleicht schon an diesem Wochenende erfolgreich beendet sein könnte. Vieles hänge jedoch davon ab, in welchem Ausmaß die Taliban- und El-Kaida-Kämpfer noch materielle und personelle Verstärkung erhielten. Deshalb sei es wichtig, ihnen die Nachschubwege abzuschneiden. Nach französischer Einschätzung wird die "Operation Anaconda" bis mindestens Anfang kommender Woche dauern.

Afghanischer Kommandant: "Luftangriffe schwächt El Kaida"
Ein Kommandant der afghanischen Truppen sagte, mit Hilfe der Luftangriffe würde El Kaida besiegt werden. "Die El-Kaida-Kämpfer können nicht entkommen", sagte der "Ismael" genannte Befehlshaber. "Wir werden den Terrorismus in der Region im Keim ersticken." Nach seinen Worten werden die Extremisten von Dorfbewohnern unterstützt, teilweise auch finanziell. Den Einwohnern sei erzählt worden, El Kaida würde für den Islam kämpfen. "Wir versuchen, die Kontakte der El Kaida zu den Dorfbewohnern zu zerstören. Aber viele Menschen in der Provinz Paktia schützen sie noch", sagte "Ismael".

8.3.2002 09:26