Donnerstag, 7. März 2002

Mangelhafte Disziplin in Österreichs Tunnels

Die Disziplin in Österreichs Tunnels ist mangelhaft. Viele Autofahrer steigen im Tunnel auf's Gas, anstatt langsamer zu fahren. Guter Grund zur Furcht besteht in jedem Fall: Eine Studie im Gleinalmtunnel ergab Erschreckendes zum Verhalten der Verkehrsteilnehmer.

Zu geringe Abstände zwischen den Autos und zu hohe Fahrgeschwindigkeiten: Das sind die Ergebnisse einer 24-Stunden-Überprüfung, die das steirische Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV) im Gleinalmtunnel durchgeführt hat. Der schnellste Autofahrer war bei der durchgehenden 80 km/h-Beschränkung mit 135 km/h unterwegs. Es zeigte sich auch, dass während der Fahrt durch den Tunnel der Abstand zwischen den Fahrzeugen immer kleiner wurde. Ganz schlimm wurde es, wenn Pkw hinter Lkw nachfahren mussten: Dort gab es die meisten "Drängler".

Laut Peter Felber vom KfV wurden die Messungen Ende Februar durchgeführt, 13.450 Fahrzeuge wurden erfasst. Gemessen wurden Geschwindigkeits- und Abstandsverhalten an vier Messstellen pro Fahrtrichtung. Ziel der Untersuchung war es, Erkenntnisse über das Fahrverhalten von Autofahrern über die gesamte Tunnelstrecke zu gewinnen.

Schlechtes Zeugnis für Österreichs Autofahrer
Die Ergebnisse stellen den Autofahrern kein gutes Zeugnis aus: Ein Drittel überschritt die zulässige Höchstgeschwindigkeit, der Schnellste "brauste" statt mit 80 km/h gleich mit 135 km/h durch die Röhre. Der Anteil der Geschwindigkeitsüberschreiter stieg im Zuge der Fahrt durch den Tunnel kontinuierlich an, so das KfV: War bei Messstelle 1 zu Beginn des Gleinalmtunnels ein Drittel zu schnell, waren es am Ende bereits 50 Prozent aller Gemessenen.

Auch beim Abstandhalten nehmen es die Autofahrer offenbar nicht so genau: Es zeigte sich, dass im Zuge der Fahrt durch den Tunnel der Abstand immer geringer wurde. So wählte bei der Messstelle 1 mehr als ein Drittel der in Kolonne fahrenden Fahrzeuglenker einen Abstand unter 2 Sekunden, bei der Messstelle 4 waren es bereits 46 Prozent. Als "äußerst gefährlich" bezeichnet das KfV die Tatsache, dass 4,8 Prozent der in Kolonne fahrenden Fahrzeuglenker einen Abstand unter 0,8 Sekunden am Tunnelbeginn aufwiesen.

Als "absolut gefährlich" wurde in der Studie das "undisziplinierte Verhalten" der Pkw-Lenker, die hinter einem Lkw nachfahren müssen, beurteilt. Allerdings wurde betont, dass diese Messung nicht repräsentativ für andere Straßentunnel sei. Die Gleinalm-Studie stelle den Beginn einer umfassenden Untersuchung des Fahrverhaltens in den steirischen Straßentunnel dar. Auf Grund dieser Erstmessung scheine es jedoch notwendig, auch im Verlauf des Tunnels - etwa ab der Mitte - immer wieder auf das richtige Abstands- und Geschwindigkeitsverhalten hinzuweisen, hieß es beim KfV.

7.3.2002 09:31